Topographie des Unbewussten

Letzthin habe ich mich wieder mit Stanislav Grofs Topographie des Unbewussten befasst, einem nicht ganz einfach zu lesenden, aber enorm spannenden Buch zum Thema „LSD im Dienst der tiefenpsychologischen Forschung“. Der Mediziner Grof beschreibt darin einige der Hunderte von LSD-Sitzungen mit meist schwerstgestörten Patienten, an denen er in den sechziger Jahren in der Prager psychiatrischen Universitätsklinik teilgenommen hat, und und teilt uns seine Schlussfolgerungen mit.

Stanislav Grof
Stanislav Grof

Wenn man ein so profundes Werk nach vielen Jahren in die Hände nimmt, dann erinnert man sich an einiges, manches wirkt völlig neu und anderes tritt plötzlich klar zutage, das man früher gar nicht richtig wahrgenommen hat. Folgendes habe ich als wichtig empfunden:

• Gemäss Grof gibt es keine allgemeine Wirkung von LSD, die zuverlässig jedesmal auftritt. Vielmehr sind die Resultate völlig spezifisch von der jeweiligen Person und den Umständen abhängig.

• Andererseits tritt bei jeder Person mit seelischen Problemen über mehrere Trips hinweg immer wieder dieselbe Thematik auf, bis sie bis zum Kern durcherlebt worden ist. Danach tritt sie nicht mehr auf.

• Grof entwickelt das Konzept der COEX-Systeme, der Systeme verdichteter Erfahrungen (condensed experiences = COEX). Diese entstehen durch unverarbeitete traumatische Erlebnisse, die im späteren Leben weitere Erlebnisse ähnlichen Charakters nach sich ziehen. Unter LSD gelangen zuerst die jüngsten Erlebnisse aus dem Unbewussten an die Oberfläche, danach in weiteren Sitzungen die früheren und schliesslich das Kern-Erlebnis. Wenn dieses neu durchlebt und damit verarbeitet worden ist, tritt es nicht mehr auf.

• Als geeignetes Vorgehen für psychotherapeutische Sitzungen empfiehlt Grof folgendes: Bequem liegend oder oder sitzend an Kissen angelehnt, mit Schlafmaske und Kopfhörer mit Musik. Nicht verkrampft in der eigenen Seele nach Problemen forschen, sondern aufsteigen lassen, was einem spontan in den Sinn kommt, ohne zu werten. Als Beobachter einfach wahrnehmen, ohne sich damit zu identifzieren.

Grofs Buch geht noch viel weiter. Vielleicht ein andermal…

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Albert Hofmanns Abdankung

Heute fand in der idyllisch gelegenen reformierten Kirche zu St. Margarethen (Binningen, Nähe Basel) Albert Hofmanns Abdankung statt. Es kamen etwa 150 Gäste, neben der Familie, privaten Freunden und ehemaligen Arbeitskollegen vorwiegend Wissenschaftler, Künstler, Literaten und Vertreter der neuen psychedelische Bewegung. Einige waren eigens aus den USA angereist. Auch ein indischer buddhistischer Mönch war anwesend. Wie im privaten Gespräch mit ihm zu erfahren war, handelte es sich nicht um einen im voraus geplanten Besuch – doch fand ich es ganz speziell, dass auch ein Gesandter der östlichen Spiritualität bei Albert Hofmanns Abdankung zugegen war.

Die Feier im reformierten liturgischen Rahmen war schlicht und von Orgel und Volker Biesenbenders Violine umrahmt. Ein Chemiker-Kollege aus der damaligen Sandoz (heute: Novartis) erzählte von seiner Zusammenarbeit mit Albert Hofmann, der zuletzt eine leitende Funktion in der Pharmazeutik bekleidet hatte. Alberts und Anitas Kinder Trix und Andreas lasen Alberts Lebenslauf vor, den er selber verfasst hatte. Der Pfarrer erzählte, dass das Staunen gegenüber einer als wundervoll und beglückend empfundenen Schöpfung Alberts Lebensmotto gewesen war.

Hier ein kleiner Film mit Albert, den ich 1999 in seinem Heim aufgenommen hatte. „Drogen und Drogen“ heisst das Thema, es geht um den Unterschied zwischen LSD und den anderen Psychedelika einerseits und profanen Drogen wie Heroin oder Kokain andererseits. Ich hatte Albert gebeten, seine Botschaft an die Jugend zu formulieren. Leider ist das Video nur auf schweizerdeutsch. Wenn sich jemand die Mühe macht, Alberts Wort zu übersetzen (deutsch und englisch zB), werde ich den Video untertiteln oder synchronisieren.

 

Albert Hofmann – ein kleiner Nachruf

Albert Hofmann, der „Vater des LSD“, ist tot. Mit 102 Jahren verstarb er in seinem wunderschön gelegenen Haus direkt an der französisch-schweizerischen Grenze in der Nähe von Basel, wenige Monate, nachdem ihn seine geliebte Anita verlassen hatte.

Albert war bis zuletzt rüstig und geistig aktiv gewesen, was seinem berühmtesten Produkt ein gutes Zeugnis ausstellt. Allerdings hatte Albert sich auch, wie er Stella und mir einmal verraten hat, täglich für 10 Minuten an den Füssen aufgehängt, um sein Gehirn besser zu durchbluten. Seine Söhne hatten ihm dafür ein Rad geschenkt, in dem er sich festschnallen konnte, um sich ohne Anstrengung in die „Kopf-unten“-Position zu begeben. Solche Uebungen gibt es im Yoga natürlich schon seit Ewigkeiten, nur muss man sich bei diesen Asanas sehr um die korrekte Stellung bemühen, um das Genick nicht zu sehr zu belasten.

Leider hatte Albert Hofmann für seine epochale Entdeckung des LSD nie die akademische Anerkennung erhalten, die ihm gebührt. Der Nobelpreis wäre das mindeste gewesen. Doch LSD war in die Fronten des Kulturkampfs gegen die Hippies geraten und erlebte eine unglaubliche Diffamierung, die bis heute anhält. So ist selbst die wissenschaftliche Forschung in den letzten Jahrzehnten strengstens verboten gewesen – so viel Angst besteht vor den Erkenntnissen, die LSD und andere Psychedelika vermitteln können…

Albert, stets in Anzug und Krawatte gekleidet, war immer der gutsituierte bürgerliche Chemiker geblieben, trotz aller Verbindungen zu Schamanismus und Hippietum. Er litt darunter, dass seine grösste Errungenschaft so verteufelt worden war, doch wenigstens hatte er eine grosse und treue Fangemeinde, die ihn zutiefst verehrte. Am glücklichsten war er in der Natur. Byebye Albert und Anita, thank you very, very much, farewell and all the best to you wherever you are.

Zuhause bei Albert Hofmann
Zuhause bei Albert Hofmann, inmitten seiner Pflanzenlandschaft