Nochmals: Säuberungen bei Beatport

Vor ein paar Monaten habe ich zum Thema Säuberungen bei Beatport geschrieben. Es ging darum, dass der inzwischen zum Monopolisten aufgestiegene Digital-Download-Vertrieb Beatport für alle Arten von Tanzmusik seine Labels in gute und böse aufgeteilt und den bösen mitgeteilt hat, dass sie infolge eines Grossreinemachens nicht mehr erwünscht seien beim Branchengott Beatport. Und dies in rüdem Ton: “We make a cleanout from labels with no revenue, we checked the sales also from you guys and found labels that we want to inactivate if you can’t give me a reason to let it in.” Cleanout heisst Säuberung und da sind wir schon beim totalitären Vokabular.

Nun kam vor ein paar Tagen ein Kommentar rein (siehe unten), der so gut zum Beatport-Stil passt, dass man fast das Gefühl kriegen kann, er stamme aus derselben Küche in Berlin. Auch hier wieder dieselben faschistoiden Formulierungen: „schwarze Schafe“ sind Labels, die nicht genügend verkaufen, sie müssen „enttarnt“ werden und „ins Nirvana geschickt“. Das Bild der „schwarzen Schafe“ hat kürzlich die rechtsextreme Schweizer SVP benützt, um in Plakatkampagnen Ausländer zu diffamieren.

Der frühere Pink Floyd Manager Peter Jenner hat 2004 gesagt: I think we’re in a time of technology change, and a change in the business model. We have to go back to first steps. Someone has to write, record, and perform a song. On the other end we have to have someone who wants to listen to it, and wants to pay for it in some way or another. Everyone else in that process is in some way dispensable. The model of the industry was built to help take the music and get it to the public has become very cluttered with people who take a lot of that money.

Sinngemäss bedeutet das, dass Musik primär ein Geschäft ist zwischen dem Musiker und dem Publikum. Alle, die dazwischenstehen, sind eigentlich überflüssig, sicher aber austauschbar. Tatsächlich ist es aber schon lange so, dass die Geschäftsleute, die sich zwischen Musiker und Publikum gedrängt haben, nicht nur den grössten Teil der Einnahmen abkassieren, sondern dazu noch frech und arrogant zu den Musikern geworden sind, sich für die Herren der Musikwelt halten, anstatt demütig und respektvoll einzugestehen, dass sie sich glücklich schätzen dürfen, mit Musikern zusammenzuarbeiten und dabei noch etwas zu verdienen.

Die grösste Frechheit liegt darin, dass von solchen Leuten behauptet wird, geringe Verkäufe hätten mit schlechter Qualität der Musik zu tun, wo sie als Verkäufer doch ganz genau wissen, dass in den allermeisten Fällen alleine das Marketing über Verkäufe entscheidet.

Musiker sollten sich zusammenfinden, um genossenschaftlich selber die Vertriebswege zu schaffen und zu pflegen, über die sie ihre Musik dem Publikum zugänglich machen. Das einzige Modell in diese Richtung, das ich kenne, ist fontastix in der Schweiz, ein Vertriebs-Projekt für unabhängige Musiker, bei dem ich mich sehr freue, daran beteiligt zu sein. CDbaby ist auch ganz cool und sehr musikerfreundlich, doch dieses Projekt ist kapitalistisch aufgebaut, der geniale Gründer Derek Sivers hat sein erfolgreiches Baby verkauft, und nun ist es halt auch dem Markt ausgeliefert, was bedeutet, dass es eines Tages vielleicht ganz plötzlich zugemacht wird, weil die Rendite vielleicht nicht mehr stimmt oder weil es einem neuen Besitzer ideologisch nicht mehr in den Kram passt. So, wie damals mp3.com von der Industrie aufgekauft wurde, um es kaputtgehen zu lassen.

Und hier nun noch der Kommentar von JEP, der Beatport sooo toll findet:

1. Wenn ein Label im Jahr nur 96 Tracks verkauft (so kommts rüber) kann ich es nachvollziehen das man es kickt! Die Leute kaufen nämlich wenn der Sound gut ist und wenn keiner kauft ist die Qualität und die Idee schlecht, sowas kann man durchaus nachvollziehen. Wozu gibts Netlabels oder archive.org?! Inzwischen glaubt ja jeder Vollpfosten daran, dass er auf Beatport sein ach so tolles Label hosten kann aber mal garkein Plan davon hat & da war Beatport die letzten Jahre sehr kulant, es wurde mal Zeit das die Schwarzen Schafe enttrant werden und ins Nirvana geschickt wurden.

2. Kenn selbst kleine Labels die in einem Zeitraum von 5 Wochen diesen Umsatz gefahren haben obwohl die Qualität nicht so ist wie bei Papa Hawtin.
Wenn man ordentlich arbeitet wird man auch ned gekickt!

3. 90% aller anderen Shops haben eine schlechte Ausschüttung & eine noch schlechtere Contentpflege, so kann es oft passieren, dass nicht alle Releases geladen werden oder später oder noch schlimmer früher!!! So das dein Release bevor es bei BP on geht schon als torrent zu finden ist.
Es gibt auch Shops die geben unter 0.5cent pro Download auf soetwas kann man gerne verzichten…

Beatport ist und bleibt der vernünftigste Laden für Labels und Künstler! Die Ausschüttung ist gut und das Einstellen der Tracks sehr leicht. Lediglich an der Benutzeroberfläche sollte viel gearbeitet werden, die Vorhörsektion die Qualität etc…aber sonst kauft bei Beatport wenn Ihr dem Künstler was gutes tun wollt!!!

Ratgeber für Musiker

Derek Sivers ist der Gründer von CDbaby, dem weltweit grössten Vertrieb für unabhängige Musiker. CDbaby zahlt zuverlässig und pünktlich und schüttet wöchentlich ca. 250’000 US-Dollars an die angeschlossenen Musiker aus.

Nun hat Derek einen Ratgeber für Musiker veröffentlicht, in dem er auf einfache und unterhaltsame Weise darlegt, wie man sich selbst promotet. How to Call Attention to Your Music ist ein Gratis-PDF, randvoll mit Praxis-Tipps.

Derek, we love you!

Hier ein kleiner Ausschnitt:

They know nothing about you. Don’t assume anything.
People will always and forever ask you, “What kind of music do you do?”
Musicians often say, “All styles, really.”

If the stranger you said that to happens to be a fan of African music, watch out! You better combine the polyrhythmic drumming of West Africa with the rich vocal harmonies of South Africa, with the microtonal reeds of Northeast Africa. And if they have any awareness of the rest of the world, then your CD better combine rage-rap, country linedancing, Chinese opera, ambient techno trance, Hungarian folk songs, and the free jazz of Ornette Coleman. (Hey – you said “all styles” didn’t you?)

This example is extreme, but constantly remember: people know nothing about you, or your background, or where you’re coming from. If you say you sound “totally unique” – then you better not have any chords, drums, guitars, words, or any sounds that have ever been made in the history of music.

When you speak to the world, you are speaking to strangers from all kinds of backgrounds and
tastes.

Open your mind. Realize you don’t sound like all styles, and you’re not totally 100% unique.

Do them a favor. Don’t assume anything. Say what it is you sound like. Narrow it down a bit.

If you do this in a creative way, (“We sound like the Incredible Hulk having sex.”) – you can intrigue people and make them want your CD, or want to come to your next show. Whereas if you had said, “Everything” – then you didn’t make a fan.