Spiegels schiefe Optik bei Drogen

Wenn’s um Drogen geht, ist der Spiegel einfach nicht zu brauchen: reisserischer Titel und Lead, immer gegen Hippies und/oder Cannabis wie zum Beispiel Opium bringt Opi um, Flower-Power, freie Liebe, „Lucy in the Sky with Diamonds“ oder Jährlich betrinken sich Tausende Jugendliche zwischen 15 und 25 hemmungslos oder kiffen so viel, dass sie im Krankenhaus landen.

Wenn man weiterliest, kommt irgendwann kleinlaut die Wahrheit ans Licht, dass nämlich das grosse Problem bei der harten Droge Alkohol liegt sowie bei der Medikamenten-Sucht. Die illegalen Substanzen werden dann aber in den Spiegel-Texten weiterhin fröhlich durcheinander gemixt – Opium, Heroin, Kokain, LSD, Haschisch, alles dasselbe – und wer vom Thema nicht ohnehin bereits viel versteht, wird gründlich desinformiert.

Wer schmiert wohl den Spiegel beim Thema Drogen? Vor Jahren war mal im selben Spiegel zu lesen, dass es keine grössere Nachrichtenredaktion ohne Geheimdienst-Offizier gibt. Hier aber hat wohl vor allem die Pharma-Industrie ihre schmutzigen Finger im Spiel.

Tatsache ist, dass Senioren mit etwas Cannabis – oder in manchen Fällen, vor allem bei Schmerzen, sogar mit Opium – besser dran sind als mit dem Schrott, den die Pharma-Multis reindrücken und an deren Nebenwirkungen die Leute massenhaft leiden und untergehen. Es ist ja schliesslich kein Zufall, dass unsere Körper mit einem eigenen Endocannabionid-System ausgerüstet sind, sind wir doch nur ein kleiner Teil der planetaren Biosphäre und reagieren meistens am besten auf Substanzen, die aus derselben Biosphäre stammen.

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Marijuana is safer

Es gibt sogar republikanische Politiker, die offen und ehrlich über Cannabis reden: Gary Johnson, früherer Governor von New-Mexico, sagt, dass es ihm lieber ist, wenn seine Kinder Cannabis konsumieren als Alkohol.

Das ist meienes Erachtens auch die einzig richtige Strategie betreffend Cannabis: immer wieder klarstellen und darauf beharren, dass Hanf sowohl fürs Individuum als auch für die Gesellschaft bedeutend weniger schädlich ist als die Volksdroge Alkohol.

Kokain mit Alkohol: gefährlich

Der Mischkonsum von Alkohol und Kokain ist in den letzten Jahren immer verbreiteter geworden. Gemäss dem britischen Guardian ist er verantwortlich für den Anstieg von Herzinfarkten bei 30 bis 40-Jährigen, da bei gleichzeitiger Einnahme der beiden Drogen im Körper eine dritte Substanz namens Cocaethylene entsteht, die stark leberschädigend wirkt.

Zudem bewirkt dieser Mischkonsum eine Zunahme von sexuell riskantem und gewalttätigem Verhalten: „The ability of cocaine users to consume vast amounts of alcohol is being blamed for an increase in sexually risky behaviour among the young and rising levels of violence. Small studies in Manchester and Merseyside suggest that around half of all young people arrested for violent behaviour were on drugs, and of these the majority were on cocaine. Many had been drinking prior to their arrest.“

Kokain ermöglicht den Konsum einer viel grösseren Menge von Alkohol. Saufgelage, die sich über 12 Stunden hinziehen, sind keine Seltenheit mehr.

Der Polizei-Chef von Manchester, Peter Fahy: „I am concerned that we seem to be producing a lot of angry young men at the moment,“ sagte er letztes Jahr. „We need to understand why that is, and why some of these young men are quite prepared to use extremes of violence over nothing. I think alcohol plays a part, but we are also concerned about the mixture of alcohol and cocaine.“

Die zunehmende Popularität von Kokain ist zweifellos auch eine Folge der Cannabis-Repression und der durch die polizeilichen Massnahmen erfolgten Verknappung von Cannabis.

Hanfplantage ausgehoben – Polizei arbeitet für organisierte Kriminalität

Immer wieder berichten die Polizei und Schweizer Medien stolz davon, eine Hanfplantage ausgehoben zu haben, so zum Beispiel heute in 20Minuten-Online. Da geht es um 130 Pflanzen mit einem Marktwert von 20’000 Franken, also um einen Pflanzer, der für sich und seinen Kollegenkreis anbaut.

Hat denn die Polizei wirklich nichts wichtigeres zu tun? Erwischt werden ohnehin nur die kleinen Fische. Das heisst die Polizei betreibt aktiv eine Marktbereinigung zugunsten der organisierten Kriminalität, denn die Nachfrage ist natürlich weiterhin vorhanden.

Diese Polizei-Aktionen treiben die Preise für Cannabis hoch, machen es schwerer erhältlich und verschieben somit den Drogenkonsum vorwiegend der jungen Leute in Richtung Alkohol und Kokain. Und dann fragt man sich allerseits ratlos, weshalb denn die Gewalt und die Brutalität auf den Strassen ständig zunimmt…

In den USA hat es in den letzten Jahren viele erfolgreiche Initiativen auf Bundesstaats-, Stadt- und Gemeinde-Ebene gegeben, den Kampf gegen Cannabis zur niedersten Priorität der Polizei zu machen. Weshalb gibt es in Europa keine Politiker, die diese Anregung aufnehmen?

Im Herbst 2008 haben 38 Prozent der abstimmenden Schweizer für die Legalisierung von Cannabis votiert. Dies, obwohl keinerlei Kampagne für die Initiative stattgefunden hatte. Politiker versprachen dann, diese respektable Ergebnis zu berücksichtigen. In der Realität findet das genaue Gegenteil statt, die grosse schweigende Minderheit der Cannabis-Konsumenten wird täglich weiterhin oder sogar noch vermehrt schikaniert.

Mit Cannabis gegen Gewalt

Ein Freund von uns und seine Kumpels wurden am letzten Wochenende auf dem Gempen (Nähe Basel) von einer 15 bis 20 Mann starken Gruppe von jungen Leuten brutal zusammengeschlagen. Die Schläger waren stark betrunken. Siehe den Artikel in der Basler Zeitung.

Der Zusammenhang zwischen der in den letzten Jahren enorm verstärkten Cannabis-Repression in der Schweiz und der zunehmenden Gewalt ist kaum jemandem bewusst. Dabei ist er offensichtlich: seit Gras und Haschisch durch polizeiliche Massnahmen vor allem gegen Plantagen verknappt worden sind, besaufen sich die jungen Leute, und logischerweise nehmen Vandalismus und brutale Gewalt zu.

Zu diesem Thema ist in den USA ein neues Buch von Paul Armentano und Steve Fox erschienen: Marijuana Is Safer: So Why Are We Driving Americans to Drink?, zu deutsch: „Cannabis ist sicherer – weshalb treiben wir die Amerikaner zum Alkohol?“.

Das Buch behandelt zwei Hauptthemen:
1. Viele Leute glauben immer noch, Cannabis sei gefährlicher als Alkohol, und das ist völlig falsch. Alkohol ist eine harte Droge, sehr giftig für den Körper und fordert jährlich 3’000 direkte Todesopfer alleine in der Schweiz. Dabei sind die durch Alkohol ausgelösten Gewalttaten und Unfälle nicht eingerechnet, ebensowenig das Leid, das die Familien von Alkoholikern ertragen müssen.
Cannabis hingegen ist ungiftig, es gibt keinen einzigen dokumentierten Todesfall durch Cannabis. Wenn es ohne Nikotin geraucht wird, ist kein Lungenschaden zu erwarten, siehe die Langzeitstudie der University of California. In einem Interview mit Alternet geht Paul Armentano auch auf andere Behauptungen von Cannabis-Gegenern ein, wie die Psychosen-Angstmacherei, für die keine wissenschaftlich haltbare Begründung vorliegt.

2. Der soziale Schaden durch Alkohol ist enorm, vor allem durch Autofahren und Gewalttaten unter Alkohol-Einfluss. Demgegenüber führt Cannabis zu einem vorsichtigeren Fahrstil und dämpft Aggressionen ab. Womit nicht gesagt sein soll, dass die Leute zum Autofahren kiffen sollen, aber es ist absurd und ungerecht, dass selbst um Tage und Wochen zurückliegender Cannabisgenuss zum Führerschein-Entzug führt. Jedenfalls brauchen wir eine öffentliche Diskussion darüber, ob es nicht vernünftiger sein könnte, Cannabis allgemein zugänglich zu machen, um uns vor der zunehmenden Gewalt zu schützen.

Marijuana Is Safer
Marijuana Is Safer'

Ecstasy (MDMA) weniger gefährlich als behauptet

Spiegel-Online berichtet in seiner wissenschaftlichen Abteilung über eine neue Studie betreffend MDMA, populär auch Ecstasy genannt. (Vorsicht: was auf dem Schwarzmarkt als „Ecstasy“ verkauft wird, enthält oft wenig bis gar kein MDMA!)

Die Metastudie des Advisory Council on the Misuse of Drugs (ACMD) im Auftrag der britischen Regierung ist zum Schluss gekommen, dass Ecstasy deutlich weniger gefährlich ist, als bisher behauptet. Eine 2002 in „Science“ publizierte und an Affen durchgeführte Studie hatte vor schwersten Hirnschädigungen gewarnt und dadurch weltweit für härteste Strafen für Konsum von und Handel mit MDMA gesorgt. Ein Jahr später musste zugegeben werden, dass die Forscher für ihre Experimente gar nicht MDMA benutzt hatten sondern Amphetamin. Eine typische War-on-Drugs Propaganda-Aktion der Bush-Regierung halt.

Die neue Studie deckt sich mit den Ergebnissen der 2007 von der University of Bristol veröffentlichten Rangliste über die Gefährlichkeit von Drogen, wo Ecstasy auf Platz 18 landet, weit hinter dem prototypischen Rauschgift Alkohol, das allein in Deutschland 40’000 Tote pro Jahr fordert.

In England gibt es etwa 15 Todesfälle pro Jahr, die Ecstasy zugeschrieben werden, wobei aufgrund der Schwarzmarkt-Situation nicht schlüssig nachgewiesen werden kann, dass diese Opfer tatsächlich MDMA konsumiert hatten, und falls ja, in Kombination mit welchen anderen Substanzen.

Trotz dieser deutlichen Herabstufung der Gefährlichkeit von MDMA will die britische Regierung die Gleichstellung von MDMA mit Heroin und Crack nicht zurücknehmen. Innenminister Alan Campbell: „Die Regierung möchte jungen Leuten und der Öffentlichkeit nicht signalisieren, dass wir Ecstasy nicht mehr so ernst nehmen.“ Alles klar, es geht ja auch nicht um die Gefährlichkeit der Substanz, sondern um die Unterdrückung der Rave- und Neohippie-Kultur. Es ist ja so praktisch, wenn man unbescholtene Bürger, deren Philosophie der Regierung nicht passt, einfach ins Gefängnis wegstecken kann. Das nennt sich dann freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat.

Hanfinitiative abgelehnt – aber trotzdem nicht schlecht

Die Schweizer Hanfinitiative „Pro Jugendschutz„, die eine Freigabe des Cannabiskonsums für Erwachsene gefordert hatte, ist letzten Sonntag mit rund 63% gegen 37% der Stimmenden abgelehnt worden. Was auf den ersten Blick wie eine verheerende Niederlage aussieht, ist in Wirklichkeit gar nicht so schlecht, wenn man bedenkt, dass von den Initianten aus Mangel an Geld und organisatorischer Struktur kein nennenswerter Abstimmungskampf geführt werden konnte. Immerhin haben mehr als ein Drittel der Schweizer Stimmenden für die Hanf-Freigabe votiert! Und dies gegen die übliche Angstmacher-Kampagne, wie wahnsinnig gefährlich der Hanfkonsum sei (während die 3’000 Alkoholtoten pro Jahr in der Schweiz natürlich nicht der Rede wert sind, wie immer).

Gleichzeitig ist das revidierte Betäubungsmittelgesetz deutlich angenommen worden, das die Heroinabgabe legalisiert (und gleichzeitig ganz heimlich auch die medizinische Verwendung von Cannabis erlaubt). Im Ausland ist diese unwahrscheinliche Kombination der Abstimmungsresultate mit ungläubigem Staunen aufgenommen worden: Heroin legal, Cannabis verboten.

Die amerikanische Hanf-Legalisierungs-Organisation NORML hat mich dann in einem Telefon-Interview für ihren Podcast um einen Kommentar gebeten. Hier geht’s zum Podcast.

Wie soll es nun weitergehen? Ich kann den Schweizer Hanf-Aktivisten nur raten, NORML genau zu studieren. Das ist eine effiziente Organisation, die man sich zum Vorbild nehmen kann. Mit besten Kontakten in die Politik und Juristen in der Geschäftsleitung, die auch mal öffentlich was rauchen, sich verhaften lassen und einen Musterprozess führen. Gerade hat NORML einen Wettbewerb ausgeschrieben mit 10’000$ in Geldpreisen für einen Werbespot, der Obama zur Legalisierung auffordern soll.