Alkohol und Kokain mit Gewalt verlinkt, aber nicht Cannabis

Was Cannabis-Konsumenten schon lange wissen, wurde ein weiteres Mal wissenschaftlich belegt: Eine Studie des Zentrums für Suchtforschung der Universität von Victoria weist nach, dass zwischen Alkohol und Kokain einerseits und Gewalt und Unfällen andererseits ein klarer Zusammenhang besteht. Nicht so mit Cannabis.

Hier der Beriicht von NORML:

Alcohol And Cocaine – But Not Cannabis – Linked To Violent Behavior, Study Says

Victoria, British Columbia: Cannabis use is not independently associated with causing violence, according to the results of a multivariate analysis to be published in the journal Addictive Behaviors.

Investigators at the University of Victoria, Centre for Addictions Research assessed how frequently subjects in a substance abuse treatment facility reported using cocaine, alcohol, and/or cannabis in the hours immediately prior to committing a violent act. Researchers also evaluated subjects’ personality for characteristics associated with violent behavior, such as risk-taking, impulsivity, and/or disrespect for the law.

Investigators concluded: „When analyses were conducted controlling for covariates, the frequency of alcohol and cocaine use was significantly related to violence, suggesting that pharmacological effects [of the drugs] may play a role in violence. Frequency of cannabis use, however, was not significantly related to violence when controlling for other factors.“

The study’s conclusions are similar to the findings of a pair of recent government reports refuting allegations that cannabis use triggers violent behavior. The first, published by the Canadian Senate in 2002, determined: „Cannabis use does not induce users to commit other forms of crime. Cannabis use does not increase aggressiveness or anti-social behavior.“

The second review, published by the British Advisory Council on the Misuse of Drugs, reported: „Cannabis differs from alcohol in one major respect. It does not seem to increase risk-taking behavior. This means that cannabis rarely contributes to violence either to others or to oneself, whereas alcohol use is a major factor in deliberate self-harm, domestic accidents and violence.“

Most recently, a logistical regression analysis of approximately 900 trauma patients published in the Journal of TRAUMA Injury, Infection, and Critical Care, determined that the use of cannabis is not independently associated with either violent or non-violent injuries requiring hospitalization. By contrast, alcohol and cocaine use are associated with violence-related injuries, the study found.

For more information, please contact Paul Armentano, NORML Senior Policy Analyst, at: paul@norml.org. Full text of the study, „Predicting violence among cocaine, cannabis, and alcohol treatment clients,“ will appear in the journal Addictive Behaviors. Additional audio commentary regarding this study is available on the August 15, 2007 broadcast of the NORML Audio Stash at: http://audio.norml.org/audio_stash/NORML_Daily_AudioStash_08_15_2007.mp3.

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Gewalt, Alkohol und Cannabis

Im nordenglischen Warrington wurde der Familienvater Gary Newlove von einer Bande volltrunkener Jugendlicher erschlagen, die zuvor sein Auto demoliert hatten. Alle acht Minuten wird in England ein Verbrechen mit einem Messer begangen, meist von betrunkenen Tätern. Und gesoffen wird immer mehr, vor allem auch von Jugendlichen. Dasselbe ist in der Schweiz und insbesondere in Basle zu beobachten, wo immer mehr Gewaltdelikte zu beklagen sind. Die Medien rätseln nun über die Gründe der Epidemie von Gewalt und Suff und lassen dabei die wichtigsten Punkte ausser Acht:

1. Diese Welt ist ohne Rausch kaum auszuhalten.
Offensichtlich haben die industrialisierten Länder einen Zustand erreicht, wo viele junge Leute den Alltag ohne Rausch nicht mehr aushalten können. Mangelnde Zukunftsaussichten, die Verarmung der unteren und mittleren Schichten durch die Verschiebung des Reichtums hin zu den Globalisierungs-Gewinnlern, brutalste Gewalt in Medien und Computerspielen und nicht zuletzt die Verrohung durch den allgegenwärtigen Terrorismus der Mächtigen (sprich Irakkrieg) sind einige der Gründe.

2. Die herrschende Drogen-Ideologie begünstigt die Gewalt.
Cannabis hat bekanntlich eine beruhigende Wirkung, es sind keine Gewalttaten bekannt, die in direktem Zusammenhang mit Hanfkonsum stehen. Vom Alkohol hingegen wissen wir, dass er Aggressionen auslöst und dass sehr viele Straftaten in direktem Zusammenhang mit Alkoholkonsum stehen. Die seit 30 Jahren von den USA geprägte weltweite Drogen-Ideologie bekämpft vehement den Anbau, Handel und Konsum von Cannabis, mit stark verschärfter Tendenz in den letzten Jahren. Dadurch ist es zu einer Verknappung von Cannabis gekommen mit der Folge, dass der Alkoholkonsum bei Jugendlichen stark zugenommen hat. Wenn ich vor drei oder vier Jahren in Basel dem Rhein entlang spaziert bin, so war ständig Hanfrauch zu riechen. Heute ist Cannabis kaum mehr wahrzunehmen, dafür wird überall nur noch gesoffen. Littering ist ein kleiner Nebeneffekt.

3. Erfolgreiche Gewaltbekämpfung bedingt eine Kehrtwende in der Drogenpolitik.
Man muss den Tatsachen mal nüchtern ins Auge blicken: Alkohol ist weit gefährlicher als Cannabis! Nicht nur für den einzelnen Konsumenten (3000 Alkoholtote in der Schweiz pro Jahr, null Cannabistote), sondern auch für die Gesellschaft als Ganzes. Eine verantwortungsvolle Drogenpolitik muss den Konsum von Alkohol soweit als möglich eindämmen und Cannabis entkriminalisieren. Natürlich werden dadurch nicht sämtliche Gewaltprobleme gelöst, aber es wird eine Besserung stattfinden.

Leider ist von der jetzigen US-Regierung keine Einsicht zu erwarten, und keine europäische Regierung wird sich getrauen, der amerikanischen Ideologie entgegenzutreten. Dennoch gibt es inzwischen auch in den USA wieder einige Anzeichen von aufkeimender Vernunft, zum Beispiel letzten Sonntag in der Washington Post, wo unter dem Titel „The Lost War“ ein Ende der Drogenprohibition gefordert wurde, hier eher unter dem Aspekt, dass vor allem Terrorismus und Gangster-Syndikate von der Prohibition profitieren.

Und in Deutschland wurde laut Spiegel-Online der ersten Multiple Sklerose-Patientin legales Cannabis erlaubt. Bisher hatte man die Kranken mit ihren Schmerzen allein gelassen und ihnen das Medikament Hanf verwehrt.

Die amerikanische Organisation DRCNet (Drug Reform Coordination Network) betreibt die Website stopthedrugwar.org und verzeichnet inzwischen mehr als 100’000 Zugriffe pro Tag – fast soviel wie huffingtonpost. Auch das ein hoffnungsvolles Zeichen. DRCNet bittet übrigens um Spenden, um die Serverkapazität ausbauen zu können.

Growland: Berns ältester Hanfladen geschlossen

Andi Stafforte ist ein Begriff in der Schweizer Cannabis-Szene. Nicht nur eröffnete er einen der ersten Hanfläden in der Schweiz, er veranstaltete auch die ersten Goa-Parties. Letztes Jahr wurde Andi, der inzwischen häufiger in Nepal anzutreffen ist als in der Schweiz, verurteilt wegen Verkauf von Hanfblüten, allerdings kam er noch mit einer bedingten Strafe davon.

Andi Stafforte schreibt dazu: „Es ging dabei um die Jahre, in denen wir glaubten, legal Hanfblüten zu verkaufen im Growland, 10g pro Nase pro Tag, nur Freiland, erst ab 18 Jahren. Dafür bekam ich 18 Monate bedingt.“

Nun wurde sein Growland-Laden polizeilich geschlossen, was einmal mehr die repressive Tendenz der Schweizer Politik gegenüber Cannabis illustriert. Dafür saufen die jungen Schweizer inzwischen masslos, mit den bekannten Folgen Vandalismus und Gewalt. Der Zusammenhang zwischen Cannabis-Repression, Alkoholkonsum und stark gestiegener Gewalttätigkeit wird von Politikern und Medien beharrlich ignoriert, wahrscheinlich auch gar nicht verstanden.

Die Berner Zeitung Der Bund schreibt zum Fall Growland am 8.8.07:
1993 eröffnete Andrea Stafforte in Bern den ersten Hanfladen der Schweiz. Gestern nun wurde das «Growland» an der Herrengasse von der Stadtpolizei geschlossen – als zweitletztes Geschäft dieser Art in Bern.

Als 2002 ein regelrechter Wildwuchs von Hanfläden herrschte, boten in der Bundesstadt rund 50 Läden Rauchhanf zum Verkauf an. Damals eröffnete die Konferenz der Bernischen Regierungsstatthalter unter der Führung von Alec von Graffenried eine eigentliche Offensive gegen den Handel. Fast wöchentlich wurden Razzien durchgeführt und Hanfläden geschlossen. Auch das Growland wurde in dieser Zeit kontrolliert. Zwölf Kilogramm Hanf wurden sichergestellt, das Geschäft vorübergehend versiegelt. Erst als Stafforte glaubhaft machen konnte, dass er nur noch Anbauprodukte, Kosmetik, Kleider, und Lebensmittel im Sortiment führte, durfte er seinen Laden wieder eröffnen. «In den vergangenen Monaten kam es im Growland aber wieder zum Verkauf von Hanf zum Betäubungsmittelkonsum», sagt Statthalter Alec von Graffenried. Darum habe er die Schliessung angeordnet. Von Graffenried stützt sich bei seinem Entscheid auf Artikel 11 der Verordung zum Bundesgesetz über Betäubungsmittel, der es den Regierungsstatthaltern seit 2004 ermöglicht, Schliessungen in Eigenregie anzuordnen. Zuvor mussten sich die Behörden auf das Polizeigesetz stützen. (pas)

Kommentar von Andi Stafforte zu obiger Zeitungsmeldung:
Am 23. Februar 2007 wurden nur knappe 2 kg Hanfblüten gefunden, und der Laden kurzzeitig versiegelt. Damals im September 2002, als 12 kg Blüten gefunden worden waren, blieb der Laden durchgehend geöffnet, genauso wie Juli 2000, als 38 kg gefunden wurden, da wurde nicht mal gesagt, dass wir nichts mehr verkaufen dürften…