Waldbrand auf Ibiza

Gestern abend, als wir kurz vor dem Sonnenuntergang zum Schwimmen fuhren, brannte der Pinienwald auf der Landzunge hinter der Cala Xarraca (neben der Strasse von San Juan nach Portinatx). Die Feuerwehr war bereits im Einsatz mit mehreren Löschwagen, die natürlich nicht überall bis zum Feuer vordringen konnten, einem Helikopter und einem Flugzeug.

Waldbrand auf Ibiza, Foto von Toni Pawers
Waldbrand auf Ibiza, Foto von Toni Pawers

Foto von Toni Pawers

Das Löschflugzeug sahen wir zweimal eine grössere Menge Wasser abwerfen, bevor es verschwand. Der Helikopter machte etwa zehn Einsätze und holte dabei jeweils neues Wasser aus der Bucht. Das Feuer schien einigermassen eingedämmt, als der Helikopter abdrehte. Nach wenigen Minuten flackerte das Feuer aber neu auf, und niemand löschte mehr aus der Luft.

Als wir nach Mitternacht nochmals am Ort des Geschehens vorbeifuhren, brannte etwa die zehnfache Fläche, und es war keine Aktivität von Helikoptern oder Flugzeugen zu sehen. Am Boden hingegen waren, habe ich heute gelesen, etwa 100 Menschen an der Bekämpfung des Feuers beteiligt. Offenbar ist es aber sehr schwierig, wenn nicht unmöglich, einen solchen Brand vom Boden aus zu löschen. Für die Helikopterpiloten hingegen scheint es unmöglich zu sein, im Dunkeln Wasser aufzunehmen.

Ich verstehe nicht, warum in so einer Situation nicht sofort Flutlichter aufgestellt werden, die dem Helikopterpiloten einen Einsatz auch im Dunkeln ermöglichen. Technisch sollte das doch machbar sein. Es wäre ja auch denkbar, dass zwei weitere Helikopter oder ein Schiff für Licht sorgen. Auf jedem Fussballplatz wird die Nacht zum Tage – warum nicht bei der Brandbekämpfung? Wir hatten den Eindruck, dass mit einer zusätzlichen halben Stunde Einsatz von Flugzeug und Helikopter der Brand noch am Samstagabend hätte gelöscht werden können.

Uebrigens: überall auf der Insel sieht man Plakate, die vor dem Entzünden von Feuern im Wald warnen. Allerdings nur auf katalanisch, und das versteht keiner der Touristen. Die Wahrung der kulturellen Identität in Ehren, aber so ist das eine weitgehend sinnlose Aktion.

(Dieser Blog ist eine Ueberarbeitung der ursprünglichen Version, bei der noch einige Fakten fehlten, was zu Fehlschlüssen führte. Danke an Marian.)

8 Gedanken zu “Waldbrand auf Ibiza

  1. „Ging dem Helikopter der Sprit aus? Wurde er zurückbeordert? Kann er im Dunkeln nicht löschen? Gab es kein Budget mehr für weitere Löschaktionen? Warum gibt es nur einen Helikopter auf der Insel? Oder ist es den Ibicencos einfach egal, wenn ihr Wald abbrennt?“

    ….muessen Sie da wirklich ueberlegen?! Sie scheinen ja nicht gerade eine Leuchte sein! Glauben Sie etwa auf Ibiza koennte man keinen Helikopter auftanken wenn ihm der Sprit ausgeht?! Glauben Sie wirklich die Regierung haette kein Geld oder waere gar zu geizig einen Loeschaktion zu finanzieren?! Glauben Sie wirklich den Menschen auf der Insel ist es egal wenn Ihr Hab und Gut von 20 Meter hohen Flammen bedroht wird?!

    Zu Ihrer Information:
    Es ist leider fuer die Piloten zu gefaehrlich bei Dunkelheit Wasser aus dem Meer/Tankbecken/Schwimmbaeder zu schoepfen. In kuerzester Zeit waren aber ueber 100 Polizisten, Feuerwehrmaenner/frauen und freiwillige Helfer vor Ort. Sie haben in den darauffolgenden 20 Stunden mit Hoechtsleistung gearbeitet um „Herr der Lage“ zu werden – erfolgreich! Es wurden Menschen und Haustiere evakuiert, mit Tankzuegen geloescht und Sicherheitschneisen um die anliegenden Haeuser geschlagen. Mit dem erstem Tageslicht bekamen sie Unterstuetzung von 3 Loeschflugzeuge, 3 Helikoptern und einer Aufklaerungsmaschiene die ueber dem Gebiet kreiste! Nur durch Ihren Einsatz wurde schlimmeres verhindert! Es war ein perfekt koordinierte Einsatz und ein grosser Dank gilt allen Beteiligten!

    Bevor Sie das naechste mal so ein Schrott veroeffentlich, denken Sie ein weniger nach; noch besser – behalten sie lieber gleich „your view of the world – ihre Sicht der Dinge“ fuer sich; oder machen Sie doch einfach in Zukunft Urlaub im Streichelzoo und schreiben darueber…denn dies interessiert dann wirklich keinen!!

    Ein dankbarer Anwohner,
    M.

  2. Hallo Marian

    Danke für deine Info. Es lag nicht in meiner Absicht, jemanden zu beleidigen, schon gar nicht die Feuerwehrleute. Ich war einfach total frustriert zu sehen, dass der Brand fast gelöscht war und danach aber erst wieder richtig losging.

    Ich verstehe nach wie vor nicht, warum nicht in so einer Situation sofort Flutlichter aufgestellt werden, die dem Helikopterpiloten einen Einsatz auch im Dunkeln ermöglichen. Technisch sollte das doch machbar sein. Es wäre ja auch denkbar, dass zwei weitere Helikopter für Licht sorgen.

    Dieses erschreckende Beispiel hat doch gezeigt, dass die Brandbekämpfung aus der Luft bei weitem am wirksamsten ist, vor allem in diesem unwegsamen Gelände. Wenn das aber nur tagsüber möglich ist, dann ist die Feuerwehr nachts ja praktisch hilflos.

  3. Hallo Marian,
    wir haben ebenfalls ein Haus in unmittelbarer Nähe und glauben, dass die Helfer alles erdenkliche getan haben. Leider sind wir seit Sonntag 21:00 Uhr nicht mehr auf der Insel. Es wäre nett, wenn Du uns kurz über die aktuelle Entwicklung informieren könntest.
    Vielen Dank!
    Liebe Grüsse und alles Gute
    Markus

  4. Hallo!

    Ich bin erst vor ca. 2 1/2h wieder von Ibiza in München gelandet.

    War eine Woche in Portinatx, in einem Hotel direkt unterhalb des Torre de Portinatx.
    Ich habe mich auch zuerst gewundert, dass die Hubschrauber auf einmal nicht mehr geflogen sind, obwohl der Wald nur noch an einer -augenscheinlich- kleinen Stelle „ein wenig“ gequalmt hat. Feuer war in diesem Moment vom Torre de Portinatx aus keines mehr zu sehen. Da reicht ja der kleinste Windstoß (der gar nicht so klein ausfiel) um das Feuer wieder anzufachen.

    Da ist mir dann eingefallen, dass ja mittlerweile die Sonne untergegangen ist (deswegen waren wir am Torre oben). In München fliegt der Rettungshubschrauber Christoph 1 zum Beispiel auch nur von Sonnenauf- bis untergang. Es dürfte für die Piloten damit also wirklich zu gefährlich geworden sein.
    Wobei, mit Sonnenuntergang ist es ja nicht gleich stockfinster, 15-20min wären vielleicht noch drin gewesen… aber klar, die eigene Sicherheit (des/der Piloten) geht vor.

    Naja, auf jeden Fall haben die Animateure im Hotel am Abend schön ihr (grottenschlechtes) Programm durchgezogen, während man gemütlich auf der Terrasse saß und ein Bierchen getrunken hat, während auf der anderen Seite der Bucht (Luftlinie ca. 1km?) der Wald brennt… ziemlich abgedrehte Situation, man wusste ja schließlich nicht, ob Häuser, Existenzen, gar Menschenleben in Gefahr sind!

    Um Mitternacht als ich ins Bett gegangen bin hat alles noch lichterloh gebrannt. Am nächsten Morgen, gegen kurz vor 8, gab es nur noch ein „wenig“ Rauch, der auch noch abgelöscht wurde (war beeindruckend, an der Straße nach San Juan die Canadair aus nächster Nähe in Aktion beim Wasserfassen zu sehen!).

    Selbst heute morgen, am Tag der Abreise, hat es an einer Stelle noch leicht geraucht, was im Laufe des Vormittags mittels eines Löschhubschraubers endgültig abgelöscht wurde…

    Es war sehr erschreckend, aber doch beeindruckend, das alles anzusehen!
    Bisher konnte ich nichts genaueres herausfinden, doch ich hoffe, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind.

    Weiß jemand, wie mit der verbrannten Fläche weiter verfahren wird? Bauland kann/darf es ja die nächsten 30 Jahre nicht werden, soviel weiß ich schon. Wird das sich selbst überlassen, oder gefällt (Holzkohle?) und neu aufgeforstet?

  5. Ich nochmal…

    bei meinem letzen Beitrag steht 3. August, 10:59h. Tatsächlich war es bereits der 4. August, kurz vor 1Uhr nachts.

    Falls Markus aus meinem Beitrag die Geschehnisse nachvollziehen will:
    – Brand am Morgen des 2. August unter Kontrolle bzw. fast vollständig gelöscht, vereinzelt raucht es noch
    – am Morgen/Vormittag des 3. August noch Rauch an einer Stelle, wird auch gelöscht mittels Hubschrauber
    – Abfahrt vom Hotel um 15h, da war es dann ruhig drüben, kein Rauch mehr, keine Hubschrauber, etc.

  6. Hallo Frank

    Herzlichen Dank für deine informationen. Sie decken sich mit unserer Beobachtung von S’Illot aus, dass der Brand am Samstagabend praktisch gelöscht war, als der Helikopter und das Flugzeug abdrehten. Zu diesem Zeitpunkt war es noch nicht richtig dunkel. Bald danach flackerte das Feuer wieder auf und ging erst richtig los.

    In der Presse wurde tags darauf über diesem Umstand überhaupt nichts berichtet.

    Wir haben zu dritt beobachtet und waren total frustriert, als wir spät nachts das Ausmass der Katastrophe sahen, das unseres Erachtens hätte vermieden werden können. Die Feuerwehrleute und die vielen freiwilligen Helfer hätten ihr Leben nicht riskieren müssen. Wenn der Wind gegen landeinwärts gedreht hätte, wäre alles noch viel, viel schlimmer gekommen.

    Aus unserer (laienhaften) Sicht denken wir, dass auf dieser häufig unwegsamen Insel das Hauptgewicht der Feuerwehr auf dem Lufteinsatz liegen muss. Dieser muss Tag und Nacht möglich sein, und dafür sind geeignete technische Massnahmen zu ergreifen. Ein Helikopter reicht nichts aus, und die Fluggeräte müssen mit Flutlicht-Scheinwerfern ausgerüstet sein. Weitere Flutlichter müssen auf Autos und Schiffen installiert sein.

    Falls jemand technisch mehr weiss zu solchen Installationen, wäre ich sehr interessiert an Infos.

  7. @ Herbie:
    Laut einem (erst in den letzten paar Jährchen verabschiedeten) Gesetz kann verbranntes Land für die nächsten 30 Jahre nicht in Bauland umgewandelt werden.
    Da kann also frühestens in 30 Jahren Beton stehen.
    Außerdem hab ich was gehört, dass die Bäume da ein Feuer innerlich überstehen, und wohl nach 2-3 Jahren oder so wieder austreiben. Kurios, aber scheint wohl so zu sein…

    @ PJ:
    Einen solchen Waldbrand kann man denke ich ausschließlich aus der Luft löschen. Am Boden können bestenfalls Maßnahmen zur Eindämmung getroffen werden (Schutzschneißen um Häuser schlagen, Gebäude kühlen wenn das Feuer schon nah ist, etc.), aber rein vom Boden aus wird man im dichten Wald Probleme haben einen 30m hohen brennenden Baum zu löschen. Vor allem wenn seine Nadeln furztrocken sind und das Feuer regelrecht von Baum zu Baum springt.

    Technisch ist eine Ausleuchtung eines begrenzten Gebietes bestimmt möglich, aber so schnell wie ein Waldbrand sich ausbreitet, kommt man mit dem Flutlichtmasten aufstellen kaum hinterher.
    Solche Beleuchtungseinrichtungen (in welcher Form auch immer) brauchen ja auch eine entsprechende Standfläche, dazu kommt der Energiebedarf, etc. pp.
    Ob das alles im dichten Wald zu realisieren ist?

    Und noch was, was wohl gegen einen nächtlichen Einsatz von Fluggerät spricht: die Thermik.
    Hast du schon mal ein großes Lagerfeuer beobachtet, wie es da die Funken hochträgt?
    Und jetz stell dir mal vor, was so ein Waldbrand für Aufwinde verursacht… da durch zu fliegen ist schon bei Tageslicht bestimmt irrwitzig genug, und dann noch nachts bei eingeschränkter bis gar nicht vorhandener Sicht? Ich denke, das wird kaum ein Pilot wagen…

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