Die enteignete Musik beim CD-Brennen und ein Lösungsvorschlag

Eine von Stellas Tanzschülerinnen hat zu Weihnachten allen anderen Schülerinnen eine CD geschenkt, eine selbstgebrannte natürlich, mit Sternchen darauf und ohne Titelliste. Eine liebe Freundin hat uns beim Besuch eine CD mitgebracht, eine selbstgebrannte natürlich, mit farbig kopiertem Cover. Eine andere Freundin hat an einer Privatparty Musik abgespielt, die sie auf einer gebrannten CD von einem DJ erhalten hatte, und daraufhin wollten etwa 30 Leute eine Kopie dieser Mix-CD vom DJ kaufen.

Musik gehört plötzlich allen. Keiner überlegt sich, dass das Geschenk einer selbstgebrannten CD eigentlich Diebesgut ist, um es mal etwas härter auszudrücken. Privatkopien sind in der Schweiz zwar legal, aber das gilt für den Eigenbedarf und die Familie, und die wenigen Cents, die die SUISA auf jeden verkauften Rohling einnimmt, decken niemals den Wert der darauf gebrannten Musik ab und erreichen auch nur in den seltensten Fällen nachher die Musiker, denen sie eigentlich zustehen würden.

Das Problem ist, dass heute die Leute, die Musik-CDs brennen, beim besten Willen keinen einfachen Weg finden können, um die Musiker zu bezahlen, deren geistiges Eigentum sie so grosszügig weiterverschenken. Mal ganz abgesehen davon, dass die meisten Leute sich beim Brennen sowieso überhaupt nichts denken.

Es sollte eine Website geben, wo das gesamte musikalische Welt-Repertoire erhältlich ist, und wo jeder, der für andere eine CD brennen will, sich beliebig bedienen kann und dafür einen Obolus entrichtet. Diese Website sollte von einer Nonprofit-Organisation betrieben werden, sodass der Ertrag zu 80 bis 90 Prozent den Rechtsinhabern zukommt. Der ehrliche Käufer, der eine CD zum Verschenken brennen will, sollte sich ein spezielles Zertifikat ausdrucken können, das er auf die CD-Hülle kleben kann. So bringt er zum Ausdruck, dass er den Wert der Musik anerkennt und dass er den Menschen, die sie geschaffen haben, eine gerechte Entlöhnung zukommen lassen will. Dadurch steigt auch der ideelle Wert des Geschenkes, und es setzt sich langsam bei der Bevölkerung die Erkenntnis durch, dass auch Musiker ein Recht darauf haben, ihre Miete bezahlen zu können – jedenfalls dann, wenn ihre musikalische Arbeit von einer grösseren Anzahl von Menschen geschätzt wird.

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