Gewalt, Alkohol und Cannabis

Im nordenglischen Warrington wurde der Familienvater Gary Newlove von einer Bande volltrunkener Jugendlicher erschlagen, die zuvor sein Auto demoliert hatten. Alle acht Minuten wird in England ein Verbrechen mit einem Messer begangen, meist von betrunkenen Tätern. Und gesoffen wird immer mehr, vor allem auch von Jugendlichen. Dasselbe ist in der Schweiz und insbesondere in Basle zu beobachten, wo immer mehr Gewaltdelikte zu beklagen sind. Die Medien rätseln nun über die Gründe der Epidemie von Gewalt und Suff und lassen dabei die wichtigsten Punkte ausser Acht:

1. Diese Welt ist ohne Rausch kaum auszuhalten.
Offensichtlich haben die industrialisierten Länder einen Zustand erreicht, wo viele junge Leute den Alltag ohne Rausch nicht mehr aushalten können. Mangelnde Zukunftsaussichten, die Verarmung der unteren und mittleren Schichten durch die Verschiebung des Reichtums hin zu den Globalisierungs-Gewinnlern, brutalste Gewalt in Medien und Computerspielen und nicht zuletzt die Verrohung durch den allgegenwärtigen Terrorismus der Mächtigen (sprich Irakkrieg) sind einige der Gründe.

2. Die herrschende Drogen-Ideologie begünstigt die Gewalt.
Cannabis hat bekanntlich eine beruhigende Wirkung, es sind keine Gewalttaten bekannt, die in direktem Zusammenhang mit Hanfkonsum stehen. Vom Alkohol hingegen wissen wir, dass er Aggressionen auslöst und dass sehr viele Straftaten in direktem Zusammenhang mit Alkoholkonsum stehen. Die seit 30 Jahren von den USA geprägte weltweite Drogen-Ideologie bekämpft vehement den Anbau, Handel und Konsum von Cannabis, mit stark verschärfter Tendenz in den letzten Jahren. Dadurch ist es zu einer Verknappung von Cannabis gekommen mit der Folge, dass der Alkoholkonsum bei Jugendlichen stark zugenommen hat. Wenn ich vor drei oder vier Jahren in Basel dem Rhein entlang spaziert bin, so war ständig Hanfrauch zu riechen. Heute ist Cannabis kaum mehr wahrzunehmen, dafür wird überall nur noch gesoffen. Littering ist ein kleiner Nebeneffekt.

3. Erfolgreiche Gewaltbekämpfung bedingt eine Kehrtwende in der Drogenpolitik.
Man muss den Tatsachen mal nüchtern ins Auge blicken: Alkohol ist weit gefährlicher als Cannabis! Nicht nur für den einzelnen Konsumenten (3000 Alkoholtote in der Schweiz pro Jahr, null Cannabistote), sondern auch für die Gesellschaft als Ganzes. Eine verantwortungsvolle Drogenpolitik muss den Konsum von Alkohol soweit als möglich eindämmen und Cannabis entkriminalisieren. Natürlich werden dadurch nicht sämtliche Gewaltprobleme gelöst, aber es wird eine Besserung stattfinden.

Leider ist von der jetzigen US-Regierung keine Einsicht zu erwarten, und keine europäische Regierung wird sich getrauen, der amerikanischen Ideologie entgegenzutreten. Dennoch gibt es inzwischen auch in den USA wieder einige Anzeichen von aufkeimender Vernunft, zum Beispiel letzten Sonntag in der Washington Post, wo unter dem Titel „The Lost War“ ein Ende der Drogenprohibition gefordert wurde, hier eher unter dem Aspekt, dass vor allem Terrorismus und Gangster-Syndikate von der Prohibition profitieren.

Und in Deutschland wurde laut Spiegel-Online der ersten Multiple Sklerose-Patientin legales Cannabis erlaubt. Bisher hatte man die Kranken mit ihren Schmerzen allein gelassen und ihnen das Medikament Hanf verwehrt.

Die amerikanische Organisation DRCNet (Drug Reform Coordination Network) betreibt die Website stopthedrugwar.org und verzeichnet inzwischen mehr als 100’000 Zugriffe pro Tag – fast soviel wie huffingtonpost. Auch das ein hoffnungsvolles Zeichen. DRCNet bittet übrigens um Spenden, um die Serverkapazität ausbauen zu können.

Ein Gedanke zu “Gewalt, Alkohol und Cannabis

  1. high,friends
    pete tosh hat schon vor jahren gesungen:“legalize it“. wenn ich mir allerdings anschaue, mit welcher vehemenz auf raves oder goa-parties die kids sich ecstasy reintun, dann zum chillen cannabis konsumieren+wenn gar nix da ist, wird halt gesoffen, wird mir angst und bange. es geht nicht darum, eine droge(cannabis)statt eine andere(alkohol)zu nehmen(bin selbst kiffender säufer), sondern den kids eine lebens-werte perspektive zu bieten und vorzuleben.hier sind alle verwachsenen immer und überall gemeint und gefordert.
    love&peace
    a-roy

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