IFPI Schweiz will bei den DJs die Rechte der Dance-Labels für sich abkassieren

Die Schweizer Sektion der IFPI (International Federation of Phonographic Industries) will nun den DJs an den Kragen: sie fordert happige Beträge von 500 bis 2’000 Franken pro Jahr von jedem DJ, der Promo-CDs von seinen Auftritten an Veranstalter schickt.

Pikant daran: die so eingenommenen Gelder werden gemäss Tages-Anzeiger nicht etwa an die meist recht kleinen Electro-, House- oder Goa-Labels verteilt, die am meisten in den Clubs und an den Parties gespielt werden, sondern proportional nach Gesamt-Verkaufsanteilen der Schweizer CDs – also natürlich an die grossen und fetten IFPI-Mitglieder. Die IFPI scheint einmal mehr in die eigene Tasche zu wirtschaften, und wie immer unter dem Vorwand, die Rechte der Künstler zu schützen.

Das Schweizer Tonstudio „Plärrr Studio Productions GmbH“ hat dazu einen offenen Brief geschrieben:
„Die IFPI Schweiz schreibt Negativschlagzeilen. Angeblich zur Wahrung der Rechte der Tonträgerproduzenten wird von DJs, die Promo CDs herstellen, eine Pauschalgebühr eingetrieben. Die Gebühr ist gekoppelt an der Anzahl Auftritte pro Jahr, 500.- bei bis zu 12 Auftritten, 2000.- bei mehr als zwölf Auftritten. Die so erzielten Einnahmen werden anschliessend nach Marktanteilen verteilt, das heisst im Klartext, dass ein House, Trance oder Technolabel, in deren Namen diese Gebühr eingezogen wird, leer ausgeht, IFPI Mitglied hin oder her.
Die ganze Aktion ist reine Geldmacherei und hat absolut nichts mit der Wahrung der Rechte der Tonträgerproduzenten zu tun. Die grossen Labels wie Sony BMG, Warner, Universal und EMI, unter denen diese Einnahmen verteilt werden, haben wohl eher Seltenheitswert auf Promo CDs und haben wohl kaum ein Anrecht auf Beträge, schon gar nicht in dieser Grössenordnung!“

Wie schon in meinem Beitrag „Kreativität, Urheberrecht und die Musikindustrie“ erwähnt, verspielt die IFPI jeglichen Goodwill, indem sie unter dem Vorwand des Schutzes der Musiker mit harten Bandagen gegen Musik-Konsumenten und -Nutzer vorgeht, gleichzeitig aber ganz unverfroren nur die eigenen Industrie-Interessen verfolgt.

Nun, die DJs sind auch keine Schäfchen. Manch einer verkauft wohl ein paar Promo-CDs an seine Fans. Es bräuchte ein Online-Lizenzierungs-System, wo sich der DJ per Kreditkarte die Rechte für ein paar hundert CDs kaufen kann. Die so eingenommenen Gelder müssten dann aber an diejenigen Rechte-Inhaber gehen, deren Songs tatsächlich verwendet werden. So etwas kann nicht von der IFPI organisiert werden, die hat schon lange keine Credibility mehr, da braucht es eine neutrale und staatlich überwachte Organisation wie die Swissperform oder die SUISA. Uebrigens: letztere mag schwerfällig sein, aber sie ist viel besser als ihr Ruf.

2 Gedanken zu “IFPI Schweiz will bei den DJs die Rechte der Dance-Labels für sich abkassieren

  1. Wieder einmal macht der Schweizer Ableger der IFPI auf sich aufmerksam: Der „Verein zur Wahrnehmung spezifisch schweizerischer Anliegen der Ton- und Videoträgerbranche“ sieht scheinbar seine Interessen durch den Einsatz von gängigem DJ-Equipment gefährdet. Jedenfalls sollen nun rund 200 Schweizer DJs zur Kasse gebeten werden, die völlig dreist und ohne Sinn und Verstand „vor einem Auftritt Lieder auf den Computer laden oder auf einer CD zusammenstellen, um so für ihr Set weniger Platten mitschleppen zu müssen. Zahlen sollen sie auch, wenn sie eine CD mit ihren Lieblingstracks mischen, um Klubbetreiber von ihrem Repertoire zu überzeugen, oder wenn sie einige Hörproben daraus ins Netz stellen.“ (Quelle: http://netzpolitik.org/2007/schweiz-ifpi-will-geld-von-dj-fuer-das-kopieren-von-liedern/?from=feed)
    Es sei an dieser Stelle nochmal ausdrücklich erwähnt, dass diese Gebühr rechtmäßig erworbene Musik betrifft und nicht etwa auf Raubkopien oder illegal via Tauschbörse gehandelte Musikstücke abzielt. In Deutschland wird bereits durch die GEMA ein entsprechender Aufschlag berechnet, wenn während einer öffentlichen Aufführung selbsterstellte Medien oder andere, nicht originale Tonträger zum Einsatz kommen.
    Für mich persönlich war das Auflegen von Musik im Grunde immer – mehr oder weniger – ein Hobby. Die Steine, die einem durch die selbsternannten Robin Hoods der hungerleidenden Musikindustrie in den Weg gelegt werden, machen es einem Hobby-DJ aber zunehmend schwerer seiner Leidenschaft nachzukommen, also muss nicht nur dir Industrie, sondern auch ich umdenken. An dieser Stelle möchte ich nun mein neues Geschäftsmodell vorstellen:
    ich lege i.d.R. samstags von 22:00 bis 05:00 Uhr auf. Diese Spielzeit möchte ich der Industrie ab sofort – selbstverständlich gegen Bezahlung – zur Verfügung. Abgerechnet wird die Länge des betreffenden Musikstücks, das gespielt werden soll. Der Preis ist abhängig von der Zeit, in der das Musikstück abgespielt werden soll. Ich unterscheide hier 3 Tarifzonen: Vorprogramm (22:00 bis 24:00 Uhr), Prime-Time (24:00 bis 04:00 Uhr) und die Slow-Jams am Ende des Abends (04:00 bis 05:00 Uhr). Die Preise je Angefangene Minute betragen im Vorprogramm 10 Euro, in der Prime-Time 20 Euro und in der letzten Stunde 15 Euro. Grundsätzlich besteht kein Recht darauf, dass ein Musikstück in voller Länge gespielt wird, bzw. dass ein Musikstück exklusiv gespielt wird (d.h. sich an Beginn und Ende nicht mit einem anderen Musikstück überschneidet). Jedes gespielte Musikstück geht in meinen Besitz über und kann von mir beliebig oft mit einem Medium meiner Wahl wiedergegeben werden. Ein Musikstück wird an einem Abend maximal einmal abgespielt und max. 3 Musikstücke eines Albums, bzw. 5 eines Künstlers (features ausgenommen). Weiterhin behalte ich mir vor – ohne Angabe von Gründen – einzelne Musikstücke, Alben, Interpreten oder sogar Labels abzulehnen.
    Spielzeit, die nicht mit industriell gefertigter oder vertriebener Musik ausgefüllt werden kann, stelle ich Indie-Labels und freien Künstlern kostenlos zur Verfügung. Entsprechende Kontakte habe ich bereits über Plattformen, wie z.B. myspace.com geknüpft.

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