Game Over

Am Freitag habe ich mit unserem Vertrieb für Stella’s neues Album telefoniert – Weltuntergangsstimmung. Die CD-Verkäufe sind im zweiten Quartal (Fussball-WM) und im Sommer weiterhin massiv zurückgegangen. Ich frage mich nun:
– Wollen die Leute keine Musik mehr?
– Oder wollen sie einfach nicht mehr bezahlen dafür?
– Oder wollen sie nicht die Musik, die ihnen die Industrie vorsetzt, und haben noch nicht gemerkt, dass es eine interessante unabhängige Szene gibt?

Unter dem Motto „Game Over“ ist die schweizerische Sektion der IFPI (International Federation of the Phonographic Industry) strafrechtlich gegen Teenager vorgegangen, die Musik-Filesharing betrieben haben. Ganz gemäss den Vorgaben der US-IFPI und mit saftigen Forderungen von CHF 15’000.– und mehr. Nun sieht es eher nach „Game Over“ für die Musik-Industrie aus, offenbar ist es nicht eine so schlaue Strategie, massiv gegen die eigenen Kunden vorzugehen.

Als Komponist, Musiker und Produzent kann ich allerdings nicht einfach schadenfreudig über die dumme und gierige Musikindustrie lachen, zu sehr bin ich auch betroffen vom Kaufstreik der Musikliebhaber. Ich frage mich, ob nicht die an sich begrüssenswerte Demokatisierung der musikalischen Produktionsmittel – jeder kann auf dem PC gekaufte und geklaute Soundschnipsel zusammenpuzzeln, und eine CD ist schnell gemacht – zu einem Ueberangebot an mediokrer und unkreativer Musik geführt hat, das es dem Käufer verunmöglicht, die wenigen musikalischen Perlen zu finden, die es noch gibt.

Dass es den kreativen und engagierten Musikern seit den sechziger und siebziger Jahren im Zuge der Cannabis-Repression und der Unterdrückung der Hippie-Kultur immer schwerer gemacht worden ist, hat ebenfalls zur Verarmung der Pop/Rock-Kultur geführt. Heute will nur noch jeder die schnelle Kohle machen, und da macht das Publikum zu Recht nicht mehr mit.

2 Gedanken zu “Game Over

  1. @Kaufstreik der Musikliebhaber?…kaufen, was man nicht kennt, was man noch nicht gehört oder gar selbst einmal ‚gespielt‘ hat: Wie lässt sich fremde, neue bzw. noch nie gehörte Musik vertraut machen? > Vorschlag: Öffentlich über Musik reden…(Schule, musikalische Bildung)

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