Drei internationale Versionen von “Knut ist gut!”

Juli 25, 2007

Diesen Frühling war ich als Komponist, Produzent und Verleger am Kinder-Popsong “Knut ist gut!” beteiligt, der während drei Wochen in den deutschen media control Single-Charts vertreten war. Vertrieben wurde die Maxi-CD von migusto.de, dem deutschen Online-Vertrieb für unabhängige Musiker und Labels.

Cover der internationalen Versionen von “Knut ist gut!”

Nun gibt es drei internationale Versionen des charmanten Ohrwurms vom kleinen Eisbären, der während einiger Wochen viele Menschen verzauberte und kurz zum Shooting Star der unersättlichen Massenmedien aufgestiegen war: auf englisch als “My Name is Knut”, auf französisch als “Je m’appelle Knut” und auf italienisch als “Sono Knut”. Auschnitte können auf Knuts Seite bei migusto.de angehört werden.


KLF – immer noch genial

Juni 25, 2007

Gestern habe ich mir auf Youtube ein par KLF-Videos reingezogen. Dieses Bandprojekt der alten Hippies Jimmy Cauty und Bill Drummond, auch bekannt als Kopyright Liberation Front, Ancients of MuMu, Timelords und The Jams, ist nach wie vor einzigartig in ihrer Originalität, ihrer Ironie, ihrer offen zur Schau gestellten Verachtung des Musikbusiness und nicht zuletzt ihrer Musikalität.

Die KLF-Videos sind aufwendig inszeniert mit Dutzenden von Statisten, Tänzerinnen, Rappern, verkleideten Musikern und beeindruckenden B-Movie-Dekos. Immer wiederkehrender Star ist ein vergammeltes altes Polizei-Auto. Meine Lieblings-Videos:

“Justified and Ancient”, mit der damals etwa 70jährigen Country-Oma Tammy Wynette, die eine makellose Gesangsperformance hinlegt, und mit Tribal-Drummern und Afro-Tänzerinnen sowie geklautem Jimi Hendrix-Riff über einem nach wie vor geilen Beat. Köstlich der Rapper mit seinen Regie-Anweisungen an die Producer: “To the bridge, to the bridge, to the bridge, now”.

Sehr schön auch Last Train To Trancentral mit unbekannter sexy Sängerin, Vocoder und Stadion-Chören sowie gekonnt inszenierter Modell-Eisenbahn und den KLF-Musikern an der Rock-Sitar. Cooler Slogan: “OK, everybody lie down on the floor and keep calm!”

What time is LOVE? ist auch toll mit geklautem “Kick out the jams”-Sample, 303-Riffs, dem einprägsamen Synthie-Hook, MuMU-Chören und mit Kornkreis-Thematik im Video.

The KLF haben auch ein Manual zum Hit-Produzieren veröffentlicht How to Have a Number One the Easy Way, das trotz grossem Sarkasmus sehr interessante und realistische Einlicke ins Popgeschäft ermöglicht. Jedem Musiker zur Lektüre empfohlen!

Ist doch fantastisch, dass man sich heutzutage solche alte Pop-Perlen reinziehen kann. Schöner wäre noch, wenn die beteiligten Rechte-Inhaber wenigstens ein bisschen was dabei verdienen würden.


Knut ist gut!

März 29, 2007

Zusammen mit meinem Partner Mike Pyczak habe ich unter dem Projektnamen “Der Eisbär” einen deutschsprachigen Kinder-Popsong namens “Knut ist gut!” kreiert.

Wegen unserem gemeinsamen Online-Vertrieb migusto.de (CD-Vertrieb und Webshop für unabhängige Musiker, Bands, Produzenten und Labels in Deutschland) bin ich öfters mal in Berlin. Eine tolle Stadt übrigens, die mir sehr gut gefällt, und ihre Bewohner ebenso.

Anfangs Februar sahen wir ein Foto des knuddeligen, im Berliner Zoo geborenen Eisbär-Babys Knut und hatten spontan die Idee, einen Song für Knut zu machen. Denn Knut war nicht nur süss, sondern irgendwie pfiffig. Und wir hatten schon lange über eine mögliche musikalische Zusammenarbeit gesprochen. Mike war früher als Sänger der Gruppe Sechser-Pack jahrelang on the Road gewesen. Und ich habe einen reichen Background als elektronischer Musiker, Gitarrist und Produzent.

Knut bei seinem ersten Ausflug im Zoo.

Die Idee blieb zunächst liegen, aber anfangs März mailte mir Mike einen Text für einen Knut-Song, der mir gut gefiel. Eigentlich wollte ich mir nicht noch mehr Arbeit aufhalsen, doch ich setzte mich an einem Sonntagabend mit der Gitarre hin, nachdem ich mit Mike telefoniert hatte, um sein Feeling für den Song zu spüren. Ueberraschenderweise brauchte ich keine halbe Stunde für die gesamte Komposition – irgendwie war sie bereits im Raum gestanden und wartete nur darauf, dass ich sie abholte und aufzeichnete.

Mike hatte Freude an dem Song, und am nächsten Donnerstag holte ich ihn nachts in Basel am Bahnhof ab. Wir produzierten den ganzen Freitag und hatten dann den Song grundsätzlich im Kasten. Natürlich gab es noch einiges daran herumzufummeln. Dann noch die Hülle und das Mastering, und am 27.3.2007 begann migusto.de die CDs auszuliefern.

Der Rest ist Geschichte, sozusagen, denn am Sonntag, den 25.3.07, feierte die EU ihren 50jährigen Geburtstag in Berlin. Die Video-Teams und Fotografen, die dafür zu hunderten in Berlin anreisten, hatten am Freitag zuvor Knut entdeckt, der an diesem Tag seinen ersten Ausflug ins Freie machte.

Knut war zum Superstar geworden. Andere Künstler hatten ebenfalls Songs für Knut entwickelt, und der Medien-Hype explodierte. War es das schlechte Gewissen gegenüber der vom Aussterben bedrohten Tierart Eisbär, das mit der Liebe zu Knut kompensiert werden musste? Oder ein Bedürfnis nach einem Stück heiler Welt inmitten der auseinanderfallenden Realität? Oder einfach ein Urinstinkt des Menschen nach Freundschaft mit dem Tier? Sicher auch die Gier der Medien nach stets neuen emotional anrührenden und gut aussehenden Themen.

Die Medien beim Angriff.

Ich denke jedenfalls, es ist uns ein hübscher kleiner Kinder-Popsong gelungen, mit einem witzigen Text und einer überzeugenden gesanglichen Interpretation, wenn auch das Arrangement und die Produktion nicht ganz so ausgefeilt sind, wie ich es gerne habe – die Zeit war zu knapp. Wir kriegen viele Komplimente – von “tierisch gut” bis zu “welch ein entzückendes Lied” und einer schrieb: “If this isn’t a hit, I’ll eat my socks”. Andere, vor allem die Fans meiner eher experimentellen Projekte, können sich kleine Schmähungen nicht verkneifen, das kann ich ja verstehen, denn nicht alle Menschen sind musikalisch tolerant.

Bin gespannt, wie’s weitergeht mit “Der Eisbär”….

Alle Fotos (ausser CD-Cover) Copyright von Tina Merkau, Berlin, mailto: Tina.Merkau@t-online.de


Popkomm hat Spass gemacht

September 24, 2006

Vergangene Woche war Popkomm und ich war als Aussteller dort im Labelcamp mit meinem Projekt migusto.de, das ich zusammen mit meinem Berliner Partner Mike Pyczak betreibe. migusto ist eine Vertriebsplattform für unabhängige Musiker, die dank unserer Zusammenarbeit mit dem Grossisten JPC dem einzelnen Musiker oder dem kleinen Label den Zugang zum Tonträger-Fachhandel ermöglicht.

Die Popkomm hat Spass gemacht. Viele neue Kontakte und ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten aus der Musikbranche. Besonders gut finde ich bei Popkomm das musikalische Rahmenprogramm, zum Beispiel in der Kulturbrauerei, wo jeden Abend sechs oder sieben Konzerte gleichzeitig stattfanden, sodass man von einem zum anderen spazieren konnte. Gut gefallen hat mir die brasilianische Band “Cabruera”, die einen wilden Mix aus psychedelic, Rock und Samba-Elementen zelebriert. Schrecklich zum Teil die extreme Laustärke, zum Beispiel bei der norwegischen Rockband “WE”, die die Grenze zur Körperverletzung überschritten hat.

Kurz reingeschaut habe ich beim 40jährigen Jubliäumskonzert der deutschen Elektronik-Veteranen “Tangerine Dream”, weil unser Projekt “Schaltkreis Wassermann” oft mit TD verglichen wird. Diesen Vergleich muss ich nun aber entschieden zurückweisen, denn mit so einem kitschigen Bombast will ich nun wirklich nicht in einen Topf geworfen werden.


Weshalb wurde John Lennon ermordet?

September 3, 2006

Die kanadische Zeitschrift Cannabis Culture fragt in ihrer Juli/August-Ausgabe: Wurde John Lennon wegen seines Cannabis-Aktivismus umgebracht? Der intensiv recherchierte und mit 123 Fussnoten versehene Artikel bestätigt die Zweifel, die viele Lennon-Fans bereits 1980 hegten.

“Jeder der glaubt, dass Mark Chapman ein verrückter Kerl war, der meinen Vater aus persönlichen Gründen umbrachte, ist entweder nicht richtig im Kopf oder sehr naiv”, sagte John Lennons Sohn Sean.

Die offizielle Version ging so, dass Lennons Mörder ein frustrierter Fan war. Der arbeits- und mittellose Wachmann Chapmann war aber in der Zeit vor dem Mord um die ganze Welt gereist und hatte sich insbesondere im Libanon aufgehalten, wo die CIA damals ein geheimes Trainingslager unterhielt. Einer der Psychiater, der Chapmann vor Gericht beurteilte, Dr. Milton Kline, war Mitglied eines geheimen Trainingsprogramms “Mind-Control”, das unter anderem untersuchte, wie man Menschen “programmieren” kann.

Sicher ist, dass der damalige Präsident Nixon die Hippie-Gegenkultur als gefährlichsten Feind betrachtete. Seine erste Amtshandlung war denn auch die Operation Intercept, die an den mexikanischen Grenzen den Import von Cannabis unterbinden sollte. Gleichzeitig wurde in grossem Stil Heroin in die Hippie-Szene und in die unruhigen Schwarzen-Ghettos gepusht. (Es ist übrigens interessant, dass der Opium-Anbau in Afghanistan erst wieder im grossen Stil forciert wird, seit die Amerikaner dort wieder das Sagen haben.)

Es gab damals beim FBI das Projekt COINTELPRO und später die OPERATION CHAOS, mit denen prominente Exponenten der Antkriegsbewegung, der Hippie-Szene und der Cannabis-Aktvisten überwacht und diffamiert wurden. “Gezielte Ermordungen” gehörten offiziell zu den Methoden. Es wird nebenbei im CannabisCulture-Artikel erwähnt, dass auch die berüchtigten Manson-Morde, mit denen die Substanz LSD diffamiert wurde, wahrscheinlich von OPERATION CHAOS inszeniert worden waren.

Tatsache ist, dass die CIA und andere Geheimdienste damals intensiv mit allen Drogen und Mindcontrol-Methoden arbeiteten, dass Mord eine offizielle Methode der politischen Rechten war (und ist) und dass der Nixon-Regierung jedes Mittel recht war, um ihre Feinde zu erledigen. So gesehen ist es eine keineswegs verwegende These, dass Lennon, über den grosse FBI- und CIA-Files existierten, im Auftrag Nixons umgebracht wurde. Vielmehr ist anzunehmen, dass auch andere Exponenten jener Zeit wie Peter Tosh, Jimi Hendrix und viele weitere, möglicherweise auch Bob Marley, der rechtsextremen, staatlich unterstützten und professionell vertuschten Gewalt zum Opfer fielen.

In jüngerer Zeit gibt es viele Fragezeichen um den Tod des Schriftstellers Hunter S. Thompson (Fear and Loathing in Las Vegas), der gerade an einem Buch über 9/11 arbeitete. Wurde er geselbstmordet?


Game Over

August 27, 2006

Am Freitag habe ich mit unserem Vertrieb für Stella’s neues Album telefoniert – Weltuntergangsstimmung. Die CD-Verkäufe sind im zweiten Quartal (Fussball-WM) und im Sommer weiterhin massiv zurückgegangen. Ich frage mich nun:
- Wollen die Leute keine Musik mehr?
- Oder wollen sie einfach nicht mehr bezahlen dafür?
- Oder wollen sie nicht die Musik, die ihnen die Industrie vorsetzt, und haben noch nicht gemerkt, dass es eine interessante unabhängige Szene gibt?

Unter dem Motto “Game Over” ist die schweizerische Sektion der IFPI (International Federation of the Phonographic Industry) strafrechtlich gegen Teenager vorgegangen, die Musik-Filesharing betrieben haben. Ganz gemäss den Vorgaben der US-IFPI und mit saftigen Forderungen von CHF 15’000.– und mehr. Nun sieht es eher nach “Game Over” für die Musik-Industrie aus, offenbar ist es nicht eine so schlaue Strategie, massiv gegen die eigenen Kunden vorzugehen.

Als Komponist, Musiker und Produzent kann ich allerdings nicht einfach schadenfreudig über die dumme und gierige Musikindustrie lachen, zu sehr bin ich auch betroffen vom Kaufstreik der Musikliebhaber. Ich frage mich, ob nicht die an sich begrüssenswerte Demokatisierung der musikalischen Produktionsmittel – jeder kann auf dem PC gekaufte und geklaute Soundschnipsel zusammenpuzzeln, und eine CD ist schnell gemacht – zu einem Ueberangebot an mediokrer und unkreativer Musik geführt hat, das es dem Käufer verunmöglicht, die wenigen musikalischen Perlen zu finden, die es noch gibt.

Dass es den kreativen und engagierten Musikern seit den sechziger und siebziger Jahren im Zuge der Cannabis-Repression und der Unterdrückung der Hippie-Kultur immer schwerer gemacht worden ist, hat ebenfalls zur Verarmung der Pop/Rock-Kultur geführt. Heute will nur noch jeder die schnelle Kohle machen, und da macht das Publikum zu Recht nicht mehr mit.


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