Keine PopKomm dieses Jahr

Juni 19, 2009

Die PopKomm 2009 findet nicht statt, die Musikindustrie sei zu sehr gebeutelt von den illegalen Downloads.

Und einmal mehr wirft die Diskussion hohe Wellen. Die einen finden, es müsse sowieso alles gratis sein. Das finde ich auch, wenn ich im Supermarkt an der Kasse stehe, und es ist wieder mal ziemlich teuer – nur kann ich die Yoghurts nicht einfach mitlaufen lassen, ohne gelegentlich im Gefängnis zu landen. Die anderen plädieren für die Kultur-Flatrate, was vielleicht nicht das Dümmste ist. Es braucht dann einfach eine lückenlose Erfassung aller Downloads und eine gerechte Verteilung gemäss Anzahl Downloads.

Das Grundproblem an dieser Diskussion ist allerdings immer wieder, dass stets nur von der Musikindustrie die Rede ist und ganz selten nur vom Künstler. Die Industrie hat sich historisch zwischen Künstler und Publikum geschoben und kräftig, zu kräftig abgesahnt. Sicher gibt es im Business viele sehr gute Leute mit einer Leidenschaft für Musik, aber unter dem Strich hat sich die Industrie ein zu grosses Stück vom Kuchen abgeschnitten und sich bei Künstlern und Publikum sehr unbeliebt gemacht. Darum weint ihr kaum einer eine Träne nach, wenn sie auf dem Müllhaufen der Geschichte landet.

Aber, liebe Internetpiraten, was ist mit den Musikern, denen ihr das Brot wegnehmt?


Nochmals: Säuberungen bei Beatport

Januar 25, 2009

Vor ein paar Monaten habe ich zum Thema Säuberungen bei Beatport geschrieben. Es ging darum, dass der inzwischen zum Monopolisten aufgestiegene Digital-Download-Vertrieb Beatport für alle Arten von Tanzmusik seine Labels in gute und böse aufgeteilt und den bösen mitgeteilt hat, dass sie infolge eines Grossreinemachens nicht mehr erwünscht seien beim Branchengott Beatport. Und dies in rüdem Ton: “We make a cleanout from labels with no revenue, we checked the sales also from you guys and found labels that we want to inactivate if you can’t give me a reason to let it in.” Cleanout heisst Säuberung und da sind wir schon beim totalitären Vokabular.

Nun kam vor ein paar Tagen ein Kommentar rein (siehe unten), der so gut zum Beatport-Stil passt, dass man fast das Gefühl kriegen kann, er stamme aus derselben Küche in Berlin. Auch hier wieder dieselben faschistoiden Formulierungen: „schwarze Schafe“ sind Labels, die nicht genügend verkaufen, sie müssen „enttarnt“ werden und „ins Nirvana geschickt“. Das Bild der „schwarzen Schafe“ hat kürzlich die rechtsextreme Schweizer SVP benützt, um in Plakatkampagnen Ausländer zu diffamieren.

Der frühere Pink Floyd Manager Peter Jenner hat 2004 gesagt: I think we’re in a time of technology change, and a change in the business model. We have to go back to first steps. Someone has to write, record, and perform a song. On the other end we have to have someone who wants to listen to it, and wants to pay for it in some way or another. Everyone else in that process is in some way dispensable. The model of the industry was built to help take the music and get it to the public has become very cluttered with people who take a lot of that money.

Sinngemäss bedeutet das, dass Musik primär ein Geschäft ist zwischen dem Musiker und dem Publikum. Alle, die dazwischenstehen, sind eigentlich überflüssig, sicher aber austauschbar. Tatsächlich ist es aber schon lange so, dass die Geschäftsleute, die sich zwischen Musiker und Publikum gedrängt haben, nicht nur den grössten Teil der Einnahmen abkassieren, sondern dazu noch frech und arrogant zu den Musikern geworden sind, sich für die Herren der Musikwelt halten, anstatt demütig und respektvoll einzugestehen, dass sie sich glücklich schätzen dürfen, mit Musikern zusammenzuarbeiten und dabei noch etwas zu verdienen.

Die grösste Frechheit liegt darin, dass von solchen Leuten behauptet wird, geringe Verkäufe hätten mit schlechter Qualität der Musik zu tun, wo sie als Verkäufer doch ganz genau wissen, dass in den allermeisten Fällen alleine das Marketing über Verkäufe entscheidet.

Musiker sollten sich zusammenfinden, um genossenschaftlich selber die Vertriebswege zu schaffen und zu pflegen, über die sie ihre Musik dem Publikum zugänglich machen. Das einzige Modell in diese Richtung, das ich kenne, ist fontastix in der Schweiz, ein Vertriebs-Projekt für unabhängige Musiker, bei dem ich mich sehr freue, daran beteiligt zu sein. CDbaby ist auch ganz cool und sehr musikerfreundlich, doch dieses Projekt ist kapitalistisch aufgebaut, der geniale Gründer Derek Sivers hat sein erfolgreiches Baby verkauft, und nun ist es halt auch dem Markt ausgeliefert, was bedeutet, dass es eines Tages vielleicht ganz plötzlich zugemacht wird, weil die Rendite vielleicht nicht mehr stimmt oder weil es einem neuen Besitzer ideologisch nicht mehr in den Kram passt. So, wie damals mp3.com von der Industrie aufgekauft wurde, um es kaputtgehen zu lassen.

Und hier nun noch der Kommentar von JEP, der Beatport sooo toll findet:

1. Wenn ein Label im Jahr nur 96 Tracks verkauft (so kommts rüber) kann ich es nachvollziehen das man es kickt! Die Leute kaufen nämlich wenn der Sound gut ist und wenn keiner kauft ist die Qualität und die Idee schlecht, sowas kann man durchaus nachvollziehen. Wozu gibts Netlabels oder archive.org?! Inzwischen glaubt ja jeder Vollpfosten daran, dass er auf Beatport sein ach so tolles Label hosten kann aber mal garkein Plan davon hat & da war Beatport die letzten Jahre sehr kulant, es wurde mal Zeit das die Schwarzen Schafe enttrant werden und ins Nirvana geschickt wurden.

2. Kenn selbst kleine Labels die in einem Zeitraum von 5 Wochen diesen Umsatz gefahren haben obwohl die Qualität nicht so ist wie bei Papa Hawtin.
Wenn man ordentlich arbeitet wird man auch ned gekickt!

3. 90% aller anderen Shops haben eine schlechte Ausschüttung & eine noch schlechtere Contentpflege, so kann es oft passieren, dass nicht alle Releases geladen werden oder später oder noch schlimmer früher!!! So das dein Release bevor es bei BP on geht schon als torrent zu finden ist.
Es gibt auch Shops die geben unter 0.5cent pro Download auf soetwas kann man gerne verzichten…

Beatport ist und bleibt der vernünftigste Laden für Labels und Künstler! Die Ausschüttung ist gut und das Einstellen der Tracks sehr leicht. Lediglich an der Benutzeroberfläche sollte viel gearbeitet werden, die Vorhörsektion die Qualität etc…aber sonst kauft bei Beatport wenn Ihr dem Künstler was gutes tun wollt!!!


Säuberungen bei Beatport

September 15, 2008

Beatport ist ein digitaler Musikvertrieb, der sich primär an DJs und die Clubszene wendet und sich von anderen Download-Portalen dadurch unterscheidet, dass die Tracks in voller CD-Qualität und zu einem entsprechend höheren Preis angeboten werden. In den letzten zwei Jahren hat sich Beatport als erster Starter in diesem Bereich eine quasi monopolistische Stellung erarbeitet.

Entsprechend zur Markstellung haben nun offenbar Arroganz und auch ein faschistoides Vokabular bei den Machern von Beatport Einzug gehalten: unter dem Titel „Cleanout“ (Reinemachen, Säuberung) verschickt der deutsch-amerikanische Vertrieb Mails in rüdem Ton an bei Beatport gelistete Labels, die zu wenig verkaufen: „We make a cleanout from labels with no revenue, we checked the sales also from you guys and found labels that we want to inactivate if you can’t give me a reason to let it in.“

Ein mir bekanntes betroffenes Label hatte nun nicht gar nichts verkauft, sondern 96 Tracks mit einem Brutto-Umsatz von USD 207.68. Davon wurden dem Label USD 116.97 gutgeschrieben, theoretisch versteht sich, denn eine Auszahlung hat nie stattgefunden. Abgesehen von der fehlenden Auszahlung würde Beatport also fast 45% der Brutto-Einnahmen einbehalten, deutlich mehr als Apple, das in seinen iTunes Musicstores immerhin 65% an Label und Künstler ausschüttet. Und pünktlich zahlt.

Höchste Zeit, dass Beatport ernsthafte Konkurrenz erhält.

Anmerkung Dezember 08: Die Auszahlung an das Label über USD 116.97 hat im November stattgefunden.


Ratgeber für Musiker

Mai 22, 2008

Derek Sivers ist der Gründer von CDbaby, dem weltweit grössten Vertrieb für unabhängige Musiker. CDbaby zahlt zuverlässig und pünktlich und schüttet wöchentlich ca. 250′000 US-Dollars an die angeschlossenen Musiker aus.

Nun hat Derek einen Ratgeber für Musiker veröffentlicht, in dem er auf einfache und unterhaltsame Weise darlegt, wie man sich selbst promotet. How to Call Attention to Your Music ist ein Gratis-PDF, randvoll mit Praxis-Tipps.

Derek, we love you!

Hier ein kleiner Ausschnitt:

They know nothing about you. Don’t assume anything.
People will always and forever ask you, “What kind of music do you do?”
Musicians often say, “All styles, really.”

If the stranger you said that to happens to be a fan of African music, watch out! You better combine the polyrhythmic drumming of West Africa with the rich vocal harmonies of South Africa, with the microtonal reeds of Northeast Africa. And if they have any awareness of the rest of the world, then your CD better combine rage-rap, country linedancing, Chinese opera, ambient techno trance, Hungarian folk songs, and the free jazz of Ornette Coleman. (Hey – you said “all styles” didn’t you?)

This example is extreme, but constantly remember: people know nothing about you, or your background, or where you’re coming from. If you say you sound “totally unique” – then you better not have any chords, drums, guitars, words, or any sounds that have ever been made in the history of music.

When you speak to the world, you are speaking to strangers from all kinds of backgrounds and
tastes.

Open your mind. Realize you don’t sound like all styles, and you’re not totally 100% unique.

Do them a favor. Don’t assume anything. Say what it is you sound like. Narrow it down a bit.

If you do this in a creative way, (“We sound like the Incredible Hulk having sex.”) – you can intrigue people and make them want your CD, or want to come to your next show. Whereas if you had said, “Everything” – then you didn’t make a fan.


Die enteignete Musik beim CD-Brennen und ein Lösungsvorschlag

Januar 12, 2008

Eine von Stellas Tanzschülerinnen hat zu Weihnachten allen anderen Schülerinnen eine CD geschenkt, eine selbstgebrannte natürlich, mit Sternchen darauf und ohne Titelliste. Eine liebe Freundin hat uns beim Besuch eine CD mitgebracht, eine selbstgebrannte natürlich, mit farbig kopiertem Cover. Eine andere Freundin hat an einer Privatparty Musik abgespielt, die sie auf einer gebrannten CD von einem DJ erhalten hatte, und daraufhin wollten etwa 30 Leute eine Kopie dieser Mix-CD vom DJ kaufen.

Musik gehört plötzlich allen. Keiner überlegt sich, dass das Geschenk einer selbstgebrannten CD eigentlich Diebesgut ist, um es mal etwas härter auszudrücken. Privatkopien sind in der Schweiz zwar legal, aber das gilt für den Eigenbedarf und die Familie, und die wenigen Cents, die die SUISA auf jeden verkauften Rohling einnimmt, decken niemals den Wert der darauf gebrannten Musik ab und erreichen auch nur in den seltensten Fällen nachher die Musiker, denen sie eigentlich zustehen würden.

Das Problem ist, dass heute die Leute, die Musik-CDs brennen, beim besten Willen keinen einfachen Weg finden können, um die Musiker zu bezahlen, deren geistiges Eigentum sie so grosszügig weiterverschenken. Mal ganz abgesehen davon, dass die meisten Leute sich beim Brennen sowieso überhaupt nichts denken.

Es sollte eine Website geben, wo das gesamte musikalische Welt-Repertoire erhältlich ist, und wo jeder, der für andere eine CD brennen will, sich beliebig bedienen kann und dafür einen Obolus entrichtet. Diese Website sollte von einer Nonprofit-Organisation betrieben werden, sodass der Ertrag zu 80 bis 90 Prozent den Rechtsinhabern zukommt. Der ehrliche Käufer, der eine CD zum Verschenken brennen will, sollte sich ein spezielles Zertifikat ausdrucken können, das er auf die CD-Hülle kleben kann. So bringt er zum Ausdruck, dass er den Wert der Musik anerkennt und dass er den Menschen, die sie geschaffen haben, eine gerechte Entlöhnung zukommen lassen will. Dadurch steigt auch der ideelle Wert des Geschenkes, und es setzt sich langsam bei der Bevölkerung die Erkenntnis durch, dass auch Musiker ein Recht darauf haben, ihre Miete bezahlen zu können – jedenfalls dann, wenn ihre musikalische Arbeit von einer grösseren Anzahl von Menschen geschätzt wird.


Leerträger-Abgabe auf iPods und andere Musicplayer

Oktober 21, 2007

Die sogenannte Leerträger-Abgabe beschäftigt die Gemüter in der Schweiz: Konsumenten fühlen sich abgezockt, weil sie glauben, doppelt bezahlen zu müssen, und sie fühlen sich bestätigt von der Schweizerischen Konsumentenstiftung (SKS), die zusammen mit den Hardware-Importeuren (SWICO) und anderen Verbänden Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht erhoben haben.

Aber worum geht es denn eigentlich? Ein Komponist schafft ein Werk und dank dem Urheberrecht kann er als einziger darüber entscheiden, wer dieses Werk nutzen oder kopieren darf. Dagegen hat wohl niemand etwas einzuwenden. Aus praktischen Gründen übertragen die meisten Schweizer Komponisten die Rechte an ihren Werken an die SUISA, die sie treuhänderisch wahrnimmt. Wesentlich zu wissen ist, dass ein Käufer einer CD mit geschützten Werken grundsätzlich nur gerade das Recht erworben hat, diese CD anzuhören – er besitzt a priori kein Recht, davon Kopien zu ziehen, denn das Copyright liegt beim Urheber.

Mit der Einführung von Spulentonband- und Cassetten-Geräten begannen viele Musikliebhaber ihre Musik zu kopieren, was ursprünglich im strengen Sinne des Gesetzes illegal war. Die SUISA hat aber schon früh erkannt, das man die Musiknutzer nicht davon abhalten sollte. Sie hat deshalb die Leercassetten-Abgabe vorgeschlagen und eingeführt. Im Gegenzug haben Schweizer Musikkonsumenten das Recht, Privatkopien zu erstellen – dies im Gegensatz zu anderen Ländern, wo es keine solchen Regelungen gibt.

Analog zur Leercassetten-Abgabe hat die SUISA nun eine Leerträger-Abgabe vorgeschlagen. Auch hier soll eine Abgabe auf iPods und andere Player erhoben werden, und der Konsument erhält dafür das Recht, privat beliebige Kopien zu ziehen von Musik, die als CD oder als Download gekauft hat. Mir scheint das eine sehr vernünftige Regelung zu sein. Ueber die Höhe der Abgabe lässt sich streiten, aber die grundsätzliche Opposition der Hardware-Importeure ist rein vom Eigennutz bestimmt. Dass die Stiftung für Konsumentenschutz gegen die Leerträger-Abgabe opponiert, kann ich nur auf ungenügendes Verständnis der Materie zurückführen.

In Internetforen, vor allem in den USA, wird häufig argumentiert, Musik müsse gratis sein, da die Distributionskosten beim Download gegen null tendieren. Abgesehen davon, dass das technisch schon nicht ganz stimmt, werden die Rechte der Urheber und Interpreten einfach übergangen. Dies stellt einen Angriff auf jegliche Rechtsordnung dar und ist ein frecher Enteigungsversuch an kreativ tätigen Menschen. Wer den Rechtsanspruch von Komponisten und Musikern grundsätzlich bejaht und wer gerne und ohne schlechtes Gewissen Kopien ziehen will von gekaufter Musik, der muss der Leerträger-Abgabe zustimmen. Das Bundesgericht hat das im Juni 2007 getan und damit der SUISA Recht gegeben.

Dieser Text wurde für den MUS-Falter geschrieben, die Zeitschrift der Mac Users Switzerland.


Ist Gratis-Musik unausweichlich?

Oktober 5, 2007

Einmal mehr propagiert ein bekannter Web-Autor die Gratis-Musik: unter dem Titel „The Inevitable March of Recorded Music Towards Free“ schreibt diesmal TechCrunch-Gründer Michael Arrington. Sein Haupt-Argument: die Replikations- und Distributionskosten von Musik auf dem Web tendieren gegen Null, und somit müsse gemäss Grundgesetzen der Oekonomie die aufgezeichnete Musik gratis sein.

Wie die meisten seiner Mitstreiter lässt Arrington völlig ausser Acht, dass die Herstellung eines Musikmasters mit Arbeit und Kosten verbunden ist, auch wenn die Preise für Aufnahme-Equipment extrem gefallen sind. Ironischerweise befindet er sich damit in der Gesellschaft des OldSchool-Musicbusiness, das auch gerne davon ausgeht, dass eine Master-Aufnahme keinen betriebswirtschaftlichen Wert darstellt.

Arrington geht auch davon aus, dass alle Musiker automatisch Live-Musiker sein müssten, und ihr Einkommen mit Auftritten bestreiten könnten. Gerade im Bereich der elektronische Musik ist meist das Gegenteil der Fall: die Musiker arbeiten primär im Studio.

Angesichts der nach wie vor massiven P2P-Downloads (gib mal deinen Lieblingstrack bei Skreemr ein) und dem Versagen bzw. der Nicht-Akeptanz der DRM-Systeme, ist allerdings immer mehr anzunehmen, dass eine Flat Fee der einzige Ausweg aus dem Musik-Dilemma sein wird. Also sozusagen ein Musik-Abonnement, das der Nutzer monatlich bezahlt und das ihm freien Zugang zum gesamten Musik-Katalog bietet.

Als Kommentar habe ich bei Michael Arrington’s Blog geschrieben:
Michael is right as far as the big labels are concerned. He’s wrong about the artists because he’s unclear about the word „production“ in music. On the one hand production means replication and that’s where he’s right. On the other hand it means the creation of a master tape or, today, a master file and that’s where he’s wrong.

A lot of work and money goes into the production of a master file – composers and lyricists work on it, performing musicians and engineers, too, and someone has to finance it. These people are the original owners of this piece of recorded music. It’s not just about fairness but it touches the most basic fundamentals of our economy and our ethics if these master owners are dispossessed.

In the past there have been many cases where the big labels have dispossessed the artists. Let’s not repeat the same wrongfulness by expecting recorded music to be free. Free music is theft unless it’s consciously been given away by the master owners.


Music 2.0

Juli 13, 2007

Web 2.0 ist inzwischen ein etablierter Begriff, der das neue Mitmach-Internet umschreibt: Youtube, Blogs, Myspace – jeder Konsument ist nun auch Autor oder ein „Prosumer“ (Producer/Consumer).

Der Begriff Music 2.0 wurde von Gerd Leonhard geprägt, einem meiner Lieblings-Autoren auf dem Gebiet von Internet, Musik und Technologie. Gerd ist Autor von „The Future of Music“, einer Muss-Lektüre für jeden im Musikgeschäft tätigen Menschen. Auf seinem Blog hat er nun einen sehr lesenswerten Open Letter to the Independent Music Industry zur Verfügung gestellt, eine Zusammenfassung seiner Rede an die Independent Music Companies, die sich Ende Juni in London bei der Messe „London Calling“ trafen.

Gerds Kernthese: It’s not the copy of the recording that makes all the $$$, it’s the use. Es geht also nicht mehr darum, Kopien von CDs zu verkaufen, sondern die Musiker und die Labels müssen den Zugang zur Musik so leicht wie möglich machen, um dann an der Nutzung der Musik in Filmen, Videos, Werbung etc. und mit dem Verkauf von Add-Ons wie Merchandising Geld zu verdienen. Während die Umsätze der Major Companies stetig sinken, steigen gleichzeitig die Einnahmen der Urheberrechtsgesellschaften.

Gerd sieht eine gute Chance, dass die unabhängigen kleinen und grösseren Labels bald die vier Grossen des Musikgeschäfts (EMI, Sony, BMG, Universal) überholen können. Rosige Zeiten für unabhängige Künstler, die bisher unter dem Monopol der Majors gelitten haben!

Hier noch ein paar Ausschnitte aus Gerds Rede:

The losers built digital music stores, and the winners built vibrant communities based on music. The losers built walled gardens while the winners built public squares. The losers were busy guarding their intellectual property while the winners were busy getting everyone’s attention. 

10s of 1000s of new TV, online video, and gaming channels will be born in the next 2-3 years – and all of them will need music to go with the visuals. Millions of songs will be synched to video – this market will positively explode. It may well be that those B2B licensing revenues end up being more than 50% of your future income.

BMI’s revenues have grown from $630 Million in 2003 to $779 Million in 2006 – not bad considering the overall demise of the recorded music market, at the same time!  So read my mouse: It’s not the copy of the recording that makes all the $$$, it’s the use. In fact, the use of your music is the next big format you have been looking for.

Attention translates into money, and this is why the first objective is to get attention, and only then to get money. The biggest problem for most artists (and their labels) is obscurity not piracy!

The real-life connection to the artist, the experience that is happening around the music, the added values such as videos, films, games, chats, books, concerts and merchandising, the context (!!!) – all of that must not be free. You must stop the obsession with trying to make money merely from selling copies


KLF – immer noch genial

Juni 25, 2007

Gestern habe ich mir auf Youtube ein par KLF-Videos reingezogen. Dieses Bandprojekt der alten Hippies Jimmy Cauty und Bill Drummond, auch bekannt als Kopyright Liberation Front, Ancients of MuMu, Timelords und The Jams, ist nach wie vor einzigartig in ihrer Originalität, ihrer Ironie, ihrer offen zur Schau gestellten Verachtung des Musikbusiness und nicht zuletzt ihrer Musikalität.

Die KLF-Videos sind aufwendig inszeniert mit Dutzenden von Statisten, Tänzerinnen, Rappern, verkleideten Musikern und beeindruckenden B-Movie-Dekos. Immer wiederkehrender Star ist ein vergammeltes altes Polizei-Auto. Meine Lieblings-Videos:

„Justified and Ancient“, mit der damals etwa 70jährigen Country-Oma Tammy Wynette, die eine makellose Gesangsperformance hinlegt, und mit Tribal-Drummern und Afro-Tänzerinnen sowie geklautem Jimi Hendrix-Riff über einem nach wie vor geilen Beat. Köstlich der Rapper mit seinen Regie-Anweisungen an die Producer: „To the bridge, to the bridge, to the bridge, now“.

Sehr schön auch Last Train To Trancentral mit unbekannter sexy Sängerin, Vocoder und Stadion-Chören sowie gekonnt inszenierter Modell-Eisenbahn und den KLF-Musikern an der Rock-Sitar. Cooler Slogan: „OK, everybody lie down on the floor and keep calm!“

What time is LOVE? ist auch toll mit geklautem „Kick out the jams“-Sample, 303-Riffs, dem einprägsamen Synthie-Hook, MuMU-Chören und mit Kornkreis-Thematik im Video.

The KLF haben auch ein Manual zum Hit-Produzieren veröffentlicht How to Have a Number One the Easy Way, das trotz grossem Sarkasmus sehr interessante und realistische Einlicke ins Popgeschäft ermöglicht. Jedem Musiker zur Lektüre empfohlen!

Ist doch fantastisch, dass man sich heutzutage solche alte Pop-Perlen reinziehen kann. Schöner wäre noch, wenn die beteiligten Rechte-Inhaber wenigstens ein bisschen was dabei verdienen würden.


Senderechte England: Umverteilung von unten nach oben

Mai 20, 2007

Die britische Urheberrechtsgesellschaft PRS macht auf Umverteilung von unten nach oben: sie hat beschlossen, in der sogenannten Primetime (von 6h abends bis Mitternacht) am TV gesendete Kompositionen doppelt zu bewerten. Das bedeuetet, dass die erfolgreichsteen Komponisten noch reicher gemacht werden sollen. Bezahlt werden soll dieser Aufschlag durch eine Halbierung der Tantiemen während allen anderen Sendezeiten – somit sollen alle anderen professionellen Komponisten bluten.

Dieselbe Regelung soll auch aufs Radio angewendet werden. Betroffen sind nicht nur Engländer, sondern alle Komponisten und Verlage, deren Werke in England gesendet werden.

Es gibt eine Petition auf dem Web, wo auch Ausländer unterzeichnen können.

Brit-Composers: Wählt diesen Vorstand ab!

Originaltext von www.composersforafairdeal.com:

Welcome to Composers for a Fair Deal

This website has been set up in protest at the PRS Board’s decision to slash the per-minute royalty payout for most television broadcasts – so as to pay for a vastly increased (by 100%!) royalty payment for any music used during a so-called ‘primetime’ slot of 6pm until midnight.

We feel these proposals are insane, badly thought through and will be disastrous to the vast majority of composers and publishers whose work is broadcast on British television – just to make a very few top flight composers (the ones who get most of the primetime) a lot richer than they already are.

Whatever your area of music
whether you are part of rock band trying to make a success of it;
whether you are an already established band or singer/songwriter, or trying to make a go of writing music for TV;
or are making quite a reasonable income from writing TV music, or you earn as a writer from music libraries;
or you are anything less than a major music publisher.
your income from TV plays is likely to be slashed – you’ll suffer the first cut in your July 2007 PRS distribution. If you are currently still trying to make a full-time living in music, this „primetime“ scheme will make life a whole lot more difficult and painful for you.

As PRS members it is only right that our voice is heard. PRS wrongly maintain there was a full consultation on this issue. There wasn’t. PRS have provided no forum for free and fair debate so it is important that you make your feelings known here and now.

If you are a PRS member, please visit our petition page and add your voice and opinions to the voices of your fellow members and together we can make the board protect and defend the value of our music – for everyone – instead of punishing the vast majority of writers by forcing them to give a huge chunk of their money to the tiny handful of those (mainly television music writers) already at the top of the business.