Leerträger-Abgabe auf iPods und andere Musicplayer

Oktober 21, 2007

Die sogenannte Leerträger-Abgabe beschäftigt die Gemüter in der Schweiz: Konsumenten fühlen sich abgezockt, weil sie glauben, doppelt bezahlen zu müssen, und sie fühlen sich bestätigt von der Schweizerischen Konsumentenstiftung (SKS), die zusammen mit den Hardware-Importeuren (SWICO) und anderen Verbänden Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht erhoben haben.

Aber worum geht es denn eigentlich? Ein Komponist schafft ein Werk und dank dem Urheberrecht kann er als einziger darüber entscheiden, wer dieses Werk nutzen oder kopieren darf. Dagegen hat wohl niemand etwas einzuwenden. Aus praktischen Gründen übertragen die meisten Schweizer Komponisten die Rechte an ihren Werken an die SUISA, die sie treuhänderisch wahrnimmt. Wesentlich zu wissen ist, dass ein Käufer einer CD mit geschützten Werken grundsätzlich nur gerade das Recht erworben hat, diese CD anzuhören - er besitzt a priori kein Recht, davon Kopien zu ziehen, denn das Copyright liegt beim Urheber.

Mit der Einführung von Spulentonband- und Cassetten-Geräten begannen viele Musikliebhaber ihre Musik zu kopieren, was ursprünglich im strengen Sinne des Gesetzes illegal war. Die SUISA hat aber schon früh erkannt, das man die Musiknutzer nicht davon abhalten sollte. Sie hat deshalb die Leercassetten-Abgabe vorgeschlagen und eingeführt. Im Gegenzug haben Schweizer Musikkonsumenten das Recht, Privatkopien zu erstellen - dies im Gegensatz zu anderen Ländern, wo es keine solchen Regelungen gibt.

Analog zur Leercassetten-Abgabe hat die SUISA nun eine Leerträger-Abgabe vorgeschlagen. Auch hier soll eine Abgabe auf iPods und andere Player erhoben werden, und der Konsument erhält dafür das Recht, privat beliebige Kopien zu ziehen von Musik, die als CD oder als Download gekauft hat. Mir scheint das eine sehr vernünftige Regelung zu sein. Ueber die Höhe der Abgabe lässt sich streiten, aber die grundsätzliche Opposition der Hardware-Importeure ist rein vom Eigennutz bestimmt. Dass die Stiftung für Konsumentenschutz gegen die Leerträger-Abgabe opponiert, kann ich nur auf ungenügendes Verständnis der Materie zurückführen.

In Internetforen, vor allem in den USA, wird häufig argumentiert, Musik müsse gratis sein, da die Distributionskosten beim Download gegen null tendieren. Abgesehen davon, dass das technisch schon nicht ganz stimmt, werden die Rechte der Urheber und Interpreten einfach übergangen. Dies stellt einen Angriff auf jegliche Rechtsordnung dar und ist ein frecher Enteigungsversuch an kreativ tätigen Menschen. Wer den Rechtsanspruch von Komponisten und Musikern grundsätzlich bejaht und wer gerne und ohne schlechtes Gewissen Kopien ziehen will von gekaufter Musik, der muss der Leerträger-Abgabe zustimmen. Das Bundesgericht hat das im Juni 2007 getan und damit der SUISA Recht gegeben.

Dieser Text wurde für den MUS-Falter geschrieben, die Zeitschrift der Mac Users Switzerland.


Ist Gratis-Musik unausweichlich?

Oktober 5, 2007

Einmal mehr propagiert ein bekannter Web-Autor die Gratis-Musik: unter dem Titel “The Inevitable March of Recorded Music Towards Free” schreibt diesmal TechCrunch-Gründer Michael Arrington. Sein Haupt-Argument: die Replikations- und Distributionskosten von Musik auf dem Web tendieren gegen Null, und somit müsse gemäss Grundgesetzen der Oekonomie die aufgezeichnete Musik gratis sein.

Wie die meisten seiner Mitstreiter lässt Arrington völlig ausser Acht, dass die Herstellung eines Musikmasters mit Arbeit und Kosten verbunden ist, auch wenn die Preise für Aufnahme-Equipment extrem gefallen sind. Ironischerweise befindet er sich damit in der Gesellschaft des OldSchool-Musicbusiness, das auch gerne davon ausgeht, dass eine Master-Aufnahme keinen betriebswirtschaftlichen Wert darstellt.

Arrington geht auch davon aus, dass alle Musiker automatisch Live-Musiker sein müssten, und ihr Einkommen mit Auftritten bestreiten könnten. Gerade im Bereich der elektronische Musik ist meist das Gegenteil der Fall: die Musiker arbeiten primär im Studio.

Angesichts der nach wie vor massiven P2P-Downloads (gib mal deinen Lieblingstrack bei Skreemr ein) und dem Versagen bzw. der Nicht-Akeptanz der DRM-Systeme, ist allerdings immer mehr anzunehmen, dass eine Flat Fee der einzige Ausweg aus dem Musik-Dilemma sein wird. Also sozusagen ein Musik-Abonnement, das der Nutzer monatlich bezahlt und das ihm freien Zugang zum gesamten Musik-Katalog bietet.

Als Kommentar habe ich bei Michael Arrington’s Blog geschrieben:
Michael is right as far as the big labels are concerned. He’s wrong about the artists because he’s unclear about the word “production” in music. On the one hand production means replication and that’s where he’s right. On the other hand it means the creation of a master tape or, today, a master file and that’s where he’s wrong.

A lot of work and money goes into the production of a master file - composers and lyricists work on it, performing musicians and engineers, too, and someone has to finance it. These people are the original owners of this piece of recorded music. It’s not just about fairness but it touches the most basic fundamentals of our economy and our ethics if these master owners are dispossessed.

In the past there have been many cases where the big labels have dispossessed the artists. Let’s not repeat the same wrongfulness by expecting recorded music to be free. Free music is theft unless it’s consciously been given away by the master owners.


Schaltkreis Wassermann wieder mal als Bootleg

August 17, 2007

Bei Piccadilly Records in London gefunden: unser 1981er Track “LUX”, den wir damals unter Schaltkreis Wassermann als Soundtrack zu einem Experimentalfilm produziert hatten. Erstmals erschienen auf dem psychdelischen Album Psychotron, frühe synthetische Computermusik, heavy spaced-out, mit Synth-Pop-Tracks dazwischen.

Und nun als Vinyl-Bootleg. Da verdienen wir zwar kein Geld, wie immer bei Schaltkreis, aber es ist ein nettes Kompliment nach 26 Jahren.

Der Text von Piccadilly Records
Schaltkreis Wassermann / Peter Jacques Band : Lux / Fly With The Wind
Supersound
Schaltkreis Wassermann - Lux
Peter Jacques Band - Fly With The Wind
Schaltkreis Wassermann - Lux (33rpm)
Supersound #19. A quarter of a century ago Schaltkreis Wassermann’s “Psychotron” album was the precursor to Delia Gonzalez & Gavin Russom’s “Days Of Mars”. It yielded the complex synthesizer opera “Lux”, which can be played at 45 or 33 depending on how monged you are. 1978’s “Fly With The Wind” by Peter Jacques Band comes from disco producer Jacques Fred Petrus of Change fame.
12″ - UND019 - £6.99
Each pressing limited to 350.

Schaltkreis Wassermann - Psychotron

Auf der Schaltkreis-Website gibt’s übrigens ein gratis mp3 zum Downloaden.

Danke an Alex Gloor für den Hinweis…


Stella Wassermann’s neue CD “L’ Ame de la Lune”

August 4, 2007

Lange hat’s gedauert, doch endlich ist es erschienen: Stella Wassermann’s neues Album “L’ Ame de la Lune”. Der Stil liegt irgendwo zwischen Ibiza-Chillout, Ambient und New Age, und die Musik ist sehr entspannend.

Stella “L’ Ame de la Lune”

Auf Stella’s Website www.stellaworld.ch kannst du in die Musik reinhören, und dort gibt’s zurzeit auch den vollständigen Song “Will to Happiness” gratis zum Downloaden als mp3 und zwar ohne DRM!

Wenn dir der Song gefällt, dann schicke doch bitte deine Freunde und Bekannten auf Stella’s Website. Wir sind unabhängige Künstler ohne Unterstützung der Musikindustrie und deshalb darauf angewiesen, dass unsere Fans uns helfen!

Wir arbeiten nach dem Prinzip von “Music 2.0″, das heisst, dass wir uns von der “alten” Musikindustrie fernhalten, die Musiker und Konsumenten gleichermassen als Milchkühe betrachtet, die es möglichst profitabel auszunehmen gilt. Dank dem Internet können Künstler wie wir heute direkt mit den Musikliebhabern in Kontakt treten. Das ist grundsätzlich eine tolle Sache, aber sie funktioniert nur, wenn Fans und Musikliebhaber mithelfen. Also bitte schreib auf Foren oder wo auch immer über Stella’s neue CD, wenn sie dir gefällt.

Bei cdbaby.com kriegst du zurzeit 40% Rabatt, wenn du zwei oder mehr Exemplare von “L’Ame de la Lune” kaufst. Vielleicht suchst du nach einem Geburtstagsgeschenk oder willst sonst jemandem eine Freude machen?

Das Album liegt auch bei iTunes zum Download bereit. Auch hier wäre es toll, wenn du eine Rezension schreiben könntest.

In Deutschland ist es erhältlich bei migusto.de und in der Schweiz bei phontastic.ch.


Music 2.0

Juli 13, 2007

Web 2.0 ist inzwischen ein etablierter Begriff, der das neue Mitmach-Internet umschreibt: Youtube, Blogs, Myspace - jeder Konsument ist nun auch Autor oder ein “Prosumer” (Producer/Consumer).

Der Begriff Music 2.0 wurde von Gerd Leonhard geprägt, einem meiner Lieblings-Autoren auf dem Gebiet von Internet, Musik und Technologie. Gerd ist Autor von “The Future of Music”, einer Muss-Lektüre für jeden im Musikgeschäft tätigen Menschen. Auf seinem Blog hat er nun einen sehr lesenswerten Open Letter to the Independent Music Industry zur Verfügung gestellt, eine Zusammenfassung seiner Rede an die Independent Music Companies, die sich Ende Juni in London bei der Messe “London Calling” trafen.

Gerds Kernthese: It’s not the copy of the recording that makes all the $$$, it’s the use. Es geht also nicht mehr darum, Kopien von CDs zu verkaufen, sondern die Musiker und die Labels müssen den Zugang zur Musik so leicht wie möglich machen, um dann an der Nutzung der Musik in Filmen, Videos, Werbung etc. und mit dem Verkauf von Add-Ons wie Merchandising Geld zu verdienen. Während die Umsätze der Major Companies stetig sinken, steigen gleichzeitig die Einnahmen der Urheberrechtsgesellschaften.

Gerd sieht eine gute Chance, dass die unabhängigen kleinen und grösseren Labels bald die vier Grossen des Musikgeschäfts (EMI, Sony, BMG, Universal) überholen können. Rosige Zeiten für unabhängige Künstler, die bisher unter dem Monopol der Majors gelitten haben!

Hier noch ein paar Ausschnitte aus Gerds Rede:

The losers built digital music stores, and the winners built vibrant communities based on music. The losers built walled gardens while the winners built public squares. The losers were busy guarding their intellectual property while the winners were busy getting everyone’s attention. 

10s of 1000s of new TV, online video, and gaming channels will be born in the next 2-3 years – and all of them will need music to go with the visuals. Millions of songs will be synched to video – this market will positively explode. It may well be that those B2B licensing revenues end up being more than 50% of your future income.

BMI’s revenues have grown from $630 Million in 2003 to $779 Million in 2006 – not bad considering the overall demise of the recorded music market, at the same time!  So read my mouse: It’s not the copy of the recording that makes all the $$$, it’s the use. In fact, the use of your music is the next big format you have been looking for.

Attention translates into money, and this is why the first objective is to get attention, and only then to get money. The biggest problem for most artists (and their labels) is obscurity not piracy!

The real-life connection to the artist, the experience that is happening around the music, the added values such as videos, films, games, chats, books, concerts and merchandising, the context (!!!) - all of that must not be free. You must stop the obsession with trying to make money merely from selling copies


Deutsche Musikindustrie: Downloads weiter im Aufwind

April 3, 2007

Gemäss Music Industry News Network sind die die Download-Verkäufe in Deutschland letztes Jahr um 40 bis 42 Millionen Euro angestiegen, machen aber immer noch nur 5% des Gesamt-Umsatzes aus. Das Internet ist zum zweitwichtigsten Verkaufskanal für CDs aufgestiegen. Und immer noch kommen auf einen legalen Download 14 illegale!

Text-Ausschnitt:
The internet is advancing to become one of the most important sources of optimism in the music industry in Germany. Download sales in 2006 rose by 40% to 42 million euro and sales of CDs over the internet are becoming ever more important.

With a 17.9% share (16.8% in 2005) of sales, the web is now the second most important distribution channel after electrical stores with 30% (30.8% in 2005). Since the download market has not yet been able to compensate for the decrease in sales of traditional sound carriers, record sales overall decreased slightly compared with the previous year by 2.4% to 1.706 billion euro. The CD (albums and singles) remains the principal source of sales at 85%, followed by music videos at 9%. Downloads and mobile sales combined made up for 5% of sales.
….
The growing importance of German-language music is also a positive element in the German charts. In 2006 for example, the charts share of German-language albums increased from 35.3% in 2005 to 38.1%; in 2000 the share was a mere 19.5%. The figures look even better when it comes to the singles charts, where German-language recordings again trumped the international competition with a 53.2% share.

Even though it was possible to combat internet piracy and push down the number of illegal music downloads from 412 million in 2005 to 384 million in 2006, these figures still represent one legal download to 14 illegal ones. The number of private copies remains about the same. One in two Germans above the age of ten burns CDs or DVDs. Since figures were first analysed in 1999 the number of people burning CDs or DVDs has increased almost fourfold from 7.9 million to 31.4 million.

Zitat des Tages:
Be wary - the music industry is full of unqualified people in temporary positions making permanent decisions about your career…
(Sei vorsichtig - die Musikindustrie ist voll von unqualifizierten Leuten in temporären Positionen, die langfristige Entscheidungen über deine Karriere fällen…)
Tipp von isound.com an junge Musiker.