Februar 3, 2008
Spiegel-TV berichtete heute abend (3.2.0
über die Grossrazzia, die die deutsche Polizei kürzlich bei deutschen Cannabispflanzern durchgeführt hatte. Zwei Grossplantagen wurden ausgehoben, ein paar mittlere und viele kleine, so zum Beispiel die Pflanzung eines Richters und einer Rechtsanwältin, die zusammen im Keller 13 Pflanzen gezogen hatten, und die nun mit der vollen Härte des deutschen Betäubungsmittelgesetzes rechnen müssen.
Die Fahnder hatten einen Gartenbedarf-Grosshändler verdeckt überwacht, seine emails mitgelesen und seine Kundendatenbank durchforstet. Unter einem repressiven Regime einschlägige Werkzeuge online einzukaufen, ist wohl nicht das Klügste, da schickt man besser die Oma zum Shopping.
Flashback in die sechziger Jahre: beim Spiegel wird immer noch von Rauschgift gesprochen, wenn von Cannabis die Rede ist. Tief ist das Blatt gesunken, seit Augstein nicht mehr da ist, der selber immerhin mal mit 40 Gramm Haschisch in Sardinien erwischt worden war. In einem anderen Beitrag derselben Sendung wurden betrunkene Disco-Schläger gezeigt. Alkohol ist nun wirklich sehr giftig, aber da redet keiner von Rauschgift…
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Verfasst von pjwassermann
Januar 25, 2008
Die Eidgenössische Kommission für Drogenfragen (EKDF) gelangt in ihrem Bericht vom 7.1.2008 zu einer vorsichtigen Empfehlung der regulierten Freigabe des Cannabiskonsums und entspricht somit weitgehend den Forderungen der Initiative “Pro Jugendschutz gegen Drogenkriminalität”.
Hier die Schlussfolgerungen aus dem Bericht “Cannabis 2008: Lagebeurteilung und Empfehlungen der Eidgenössischen Kommission für Drogenfragen”:
Die Erkenntnisse über den Cannabiskonsum und seine Folgen sollten nicht isoliert betrachtet werden, sondern im Zusammenhang mit den Gefährdungen, die gesamthaft mit dem Konsum psychoaktiver Substanzen (legale und illegale) in Zusammenhang stehen. Cannabiskonsum ist, wie der Konsum von Alkohol oder Tabak, nicht «gut» oder «schlecht» im Sinne eines Werturteils.
Die beschriebenen Folgen von Cannabiskonsum zeigen, dass eine Verharmlosung nicht gerechtfertigt ist – ebenso wenig wie bei anderen psychoaktiven Substanzen. Ein direkter Vergleich der möglichen körperlichen, psychischen und sozialen Schäden durch Cannabis und durch andere Substanzen lässt den Schluss zu, dass sich die Bekämpfung dieser Auswirkungen nach vergleichbaren Kriterien ausrichten sollte. Die Erfahrungen im Alkohol- und Tabakbereich zeigen, dass sich mit Regulierungsmassnahmen gute Erfolge erzielen lassen.
So wird zum Beispiel der Jugendschutz in diesen Bereichen besser als früher gewährleistet.Es bestehen keine objektiven Gründe, bei der Bekämpfung des Cannabismissbrauchsgrundsätzlich anders vorzugehen.
Eine Aufhebung der Konsumbestrafung im Betäubungsmittelgesetz schliesst keineswegsaus, den Konsum von Cannabis in definierten Situationen oder an zu bezeichnenden Ortenals Übertretung mit Bussen zu bestrafen. Denkbar wäre zum Beispiel ein Konsumverbot in öffentlich zugänglichen Räumlichkeiten und auf dem Areal von Schul- und Sportanlagen.
Zudem ist es durchaus denkbar, ähnliche Formen der Marktregulierung, wie sie sich im Bereich Tabak, Alkohol oder Medikamente bewährt haben, auch für den Cannabismarkt vorzusehen. Das könnte zum Beispiel bedeuten, dass man zwar auf die generelle Strafbarkeit des Konsums verzichtet, den Handel mit Cannabisprodukten aber grundsätzlich weiterhin mit Strafe bedroht.
Gleichzeitig müsste dann aber im Betäubungsmittelgesetz die Möglichkeitgeschaffen werden, unter genau geregelten Bedingungen auf die Strafverfolgung des Anbaus und Kleinhandels von Cannabis zu verzichten. Diese Bedingungen könnten wie folgt lauten:
- kein Verkauf an Jugendliche und an Personen ohne Wohnsitz in der Schweiz
- Verkauf nur in konzessionierten Verkaufsstellen, kein Verkauf an Automaten
- Meldepflicht und Begrenzung der Höchstmengen im Bezug auf Anbau, Lagerhaltung und Einzelverkauf
- Regulierung oder Deklarationspflicht bezüglich THC-Gehalt
- Werbeverbot
- Marktregulierung mit Bezugskarten (um die Bezüge pro Person zu limitieren)
Solche marktregulierende Massnahmen könnten durch eine Abgabe auf dem Verkaufspreisfinanziert werden.
Repressive Massnahmen gegen den Konsum und den Kleinhandel nach zurzeit geltendem Recht haben nur begrenzte Wirkung und müssen an ihren finanziellen und sozialen Folgekosten gemessen werden. Sie erschweren auch präventive Massnahmen, die sich in einem regulierten Markt besser und wirkungsvoller durchführen lassen.
Zusammenfassend erachtet die EKDF den Konsum von Cannabisprodukten als ein mit klaren Risiken verbundenes Verhalten. Sie erachtet das Strafrecht aber grossmehrheitlich als ungeeignete Antwort auf dieses Verhalten. Für eine «Liberalisierung» im Sinne einer freien, nicht geregelten Zugänglichkeit besteht allerdings kein Anlass.
Die Kommission bleibt daher grossmehrheitlich bei ihrer im Cannabisbericht 1999 formulierten Empfehlung, die Zugänglichkeit von Cannabisprodukten über ein Regulierungsmodell zusteuern, das der Prävention und insbesondere dem Jugendschutz die notwendige Beachtung schenkt. Eine solche Lösung würde eine materiellrechtliche Strafbefreiung für den eigenen Konsum und seine Vorbereitungshandlungen beinhalten. In Berücksichtigung der internationalen Konventionen bliebe der Grosshandel strafbar. Dies schliesst aber nicht aus, dass für den Kleinhandel im oben beschriebenen Rahmen eine Opportunitätsregelung geschaffen wird. Die rechtliche Grundlage dazu wäre im Betäubungsmittelgesetz festzulegen.
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Verfasst von pjwassermann
Dezember 24, 2007
Harry J. Anslinger, war der erste Anti-Cannabis-Kreuzzügler in den USA. Zuvor war er während der Alkoholprohibition Chef der Alkohol-Polizei gewesen. Nach dem Ende der Prohibition brauchte er ein neues Betätigungsfeld für sich und seine Polizisten. Hier seine Begründung vor dem US-Kongress im Jahre 1937:
“Es gibt 100′000 Marijuana-Raucher in den USA, und die meisten sind Neger, Latinos, Filipinos und Unterhalter. Ihre satanische Musik, Jazz und Swing, kommt aus dem Gebrauch von Marijuana. Dieses Marijuana bringt weisse Frauen dazu, sexuelle Beziehungen mit Negern, Unterhaltern und anderen einzugehen.”
Rassismus, Sexualneid und Hass auf kreative Entertainer waren also die wahren Gründe für das Verbot von Cannabis. Hinzugekommen sind damals schon die Konkurrenzängste der aufstrebenden Nylon-Industrie, damals verkörpert durch die Firma Dupont, und der Papier-Industrie, die dannzumal vom Zeitungsmagnaten Hearst beherrscht wurde. Später, in den 60er-Jahren war das Hanfverbot das probate Mittel, um die Hippie-Kultur zu unterdrücken.
(”There are 100,000 total marijuana smokers in the US, and most are Negroes, Hispanics, Filipinos, and entertainers. Their Satanic music, jazz, and swing, result from marijuana use. This marijuana causes white women to seek sexual relations with Negroes, entertainers, and any others.”")
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Verfasst von pjwassermann
Dezember 12, 2007
Am Montag hat der Schweizer Nationalrat die Volksinitiative “Pro Jugendschutz” zur Entkriminalisierung von Cannabis mit 106 zu 70 Stimmen abgelehnt. Einmal mehr wurden die altbekannten und längst widerlegten Argumente vorgebracht: Cannabis sei eine gefährliche Droge, die wissenschaftlich noch nicht genügend erforscht sei, Cannabis sei eine Einstiegsdroge usw. Wo doch jeder, der sich unvoreingenommen informiert, sehr schnell wissen kann, dass Alkohol und Nikotin weitaus gefährlicher sind als Hanf, und dass Milch bei weitem die gefährlichste Einstiegsdroge ist, denn 100% aller Junkies haben mit Milch begonnen - was beweist, dass man mit Statistiken so ziemlich jeden Mist beweisen kann.
Das Problem ist, dass Vernunft in dieser Diskussion überhaupt nichts bewirkt. Schon der britische Hanfdrogen-Report anfangs des 20. Jahrhunderts hat aufgezeigt, dass selbst jahrzehntelanges Konsumieren keine schwerwiegenden Schäden nach sich zieht und dass Cannabis ein relativ harmloses Kraut ist, das zudem viele heilsame Wirkungen aufweist. Der New Yorker La Guardia-Report in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts hat das bestätigt, und unzählige weitere Studien sind zu ähnlichen Ergebnissen gekommen, obwohl es für Wissenschaftler äusserst schwierig ist, für eine unvoreingenommene Studie Bewilligungen und Gelder zu erhalten. Umgekehrt ist es vor allem in den USA sehr einfach seine Karriere zu befördern, wenn das Ziel einer Studie darin besteht, die Gefährlichkeit von Cannabis zu beweisen.
Es geht vielmehr darum - und da muss ich mich leider wiederholen - unbequeme und tendenziell rebellische Minderheiten unter dem Daumen zu halten. Dazu ist das Cannabisverbot doch ein wunderbar probates Mittel: immer ist ein Vorwand vorhanden, um Menschen anzuhalten und zu durchsuchen und anhand ihrer gespeicherten Handynummern ganze Beziehungsnetze zu durchleuchten. Besonders praktisch sind die Strassenverkehrsgesetze, die es in der Schweiz und anderen Ländern ermöglichen, selbst Gelegenheitskonsumenten den Führerausweis zu entziehen - die Grenzwerte sind so tief angesetzt, dass auch ein Konsum, der vor zehn Tagen stattgefunden hat und die Fahrtüchtigkeit nicht im geringsten beeinträchtigt, für einen Ausweisentzug ausreicht. Traurig zu sehen, dass auch Grüne, wie die mir persönlich bekannte und geschätzte Esther Maag, resolute Befürworter dieses diskriminierenden Gesetzes-Machwerks waren.
In den Vereinigten Staaten sind vorwiegend Schwarze und andere Nicht-Weisse Opfer der Drogengesetze. Das kommt der Rechten sehr zupass, denn Vorbestrafte verlieren ihr Wahlrecht, sodass ein grosser Teil der tendenziell demokratisch ausgerichteten schwarzen Bevölkerung zum vornherein von den Wahlen ausgeschlossen werden kann.
Dass die Unterdrückung des Cannabiskonsums und die Verknappung des Hanf-Angebots zu vermehrtem Alkoholkonsum mit seinen sattsam bekannten gewalttätigen Folgen führt, wird von den rechts ausgerichteten Politikern gerne in Kauf genommen, denn mehr Gewalt bringt die Zustimmung der Bürger zu mehr Polizei, härterem Durchgreifen, mehr Ueberwachung und zu einer generellen Einschränkung der individuellen Freiheit und der Bürgerrechte. Dazu passt auch, dass die von den Politikern erzeugte Schwarzmarkt-Situation kriminelle und terroristische Organisationen fördert, denn Terror ist die beste Begründung für die faschistoiden Gesetze, die in den sogenannt aufgeklärten westlichen Demokratien zur Tagesordnung geworden sind.
Es besteht die Gefahr eines neuen Faschismus, der noch viel gefährlicher wird als die Nazi-Herrschaft, denn heute wird die Unterdrückung perfektioniert mit flächendeckender Video-Ueberwachung, mit Software, die einen Menschen anhand seiner Art sich zu bewegen identifizieren kann, mit routinemässiger Durchsuchung von elektronischer Kommunikation und Telefongesprächen, mit der Aufzeichnung aller Aufenthaltsorte eines Menschen anhand seines Mobiltelefons und mit der Erstellung vollständiger Profile jeden Bürgers aufgrund seiner Lektüre und seiner Aeusserungen im Internet. Winzige Drohnen mit Videokameras werden heute schon in den USA eingesetzt, um bei Musik-Festivals Cannabis-Konsumenten herauszupicken und zu verhaften.
Solange die einigermassen demokratischen Strukturen noch funktionieren, ist das noch nicht ganz schlimm. Wenn aber autoritäre Kreise die Macht übernehmen, ist für die vollständige Unterdrückung technologisch alles schon bestens vorbereitet. Dunkle Wolken am Horizont.
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Verfasst von pjwassermann
November 8, 2007
Der SPIEGEL berichtet über die zunehmenden Gewalt-Exzesse, die vor allem von betrunkenen Jugendlichen ausgeübt werden.
Ausschnitt aus dem Text: Vom Alkohol enthemmt fliegen die Fäuste leichter. Die Münchner Polizei sieht einen Grund für den Anstieg im Alkoholkonsum. “Insbesondere bei den Gewaltdelikten wie gefährlicher und schwerer Körperverletzung spielt Alkohol bei der Tatausführung eine wesentliche Rolle”, sagt Arno Helfrich, Leiter des Kommissariats für verhaltensorientierte Prävention und Opferschutz, SPIEGEL ONLINE. Demnach waren 36,9 Prozent der jugendlichen Tatverdächtigen stark alkoholisiert. “Vor zehn Jahren lag dieser Wert bei 26 Prozent! Die enthemmende Wirkung des Alkohols leistet hier offensichtlich ganze Arbeit.”
Meine Meinung: Legalisiert endlich den Hanf-Konsum! Wenn sich die Jugendlichen am Wochenende mit Cannabis berauschen, werden die Strassen wieder friedlicher.
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Verfasst von pjwassermann
November 7, 2007
Die Schweizer Tageszeitung BLICK berichtet unter dem Titel Kiffende Schüler sind fitter und schlauer über eine Studie von Lausanner Forschern, die folgendes herausgefunden haben:
• Kiffer haben eine bessere soziale Ader.
• Kiffer treiben eher Sport.
• Kiffer sind beliebter bei ihren Mitschülern.
• Die Kiffer sind mit weniger Aufwand gleich gut in der Schule wie ihre drogenfreien Kollegen.
Befragt haben die Experten des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin 5263 Schüler im Alter von 16 bis 20 Jahren. Die Resultate wurden in der neusten Ausgabe der renommierten US-Fachzeitschrift Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine veröffentlicht.
Schlechter schneiden Misch-Konsumenten ab, die neben Cannabis auch Tabak und Alkohol konsumieren. Dies ist der eigentlich Focus der Studie, was im Blick-Artikel nicht klar erwähnt wird.
Meine Meinung
Der entscheidende Punkt ist, wie gekifft wird: Weder vor noch während der Schule. Zuhause zuerst die Aufgaben machen und dann, wenn alles erledigt ist, darf man sich entspannen und sich den Hanf gönnen. Dass es auf diese Weise gut funktioniert, habe ich bei jungen Leuten öfters beobachten können. Und eben enorm wichtig: nicht mit Cigaretten vermischen, denn Tabak ist tödliches Gift!
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August 25, 2007
Was Cannabis-Konsumenten schon lange wissen, wurde ein weiteres Mal wissenschaftlich belegt: Eine Studie des Zentrums für Suchtforschung der Universität von Victoria weist nach, dass zwischen Alkohol und Kokain einerseits und Gewalt und Unfällen andererseits ein klarer Zusammenhang besteht. Nicht so mit Cannabis.
Hier der Beriicht von NORML:
Alcohol And Cocaine – But Not Cannabis – Linked To Violent Behavior, Study Says
Victoria, British Columbia: Cannabis use is not independently associated with causing violence, according to the results of a multivariate analysis to be published in the journal Addictive Behaviors.
Investigators at the University of Victoria, Centre for Addictions Research assessed how frequently subjects in a substance abuse treatment facility reported using cocaine, alcohol, and/or cannabis in the hours immediately prior to committing a violent act. Researchers also evaluated subjects’ personality for characteristics associated with violent behavior, such as risk-taking, impulsivity, and/or disrespect for the law.
Investigators concluded: “When analyses were conducted controlling for covariates, the frequency of alcohol and cocaine use was significantly related to violence, suggesting that pharmacological effects [of the drugs] may play a role in violence. Frequency of cannabis use, however, was not significantly related to violence when controlling for other factors.”
The study’s conclusions are similar to the findings of a pair of recent government reports refuting allegations that cannabis use triggers violent behavior. The first, published by the Canadian Senate in 2002, determined: “Cannabis use does not induce users to commit other forms of crime. Cannabis use does not increase aggressiveness or anti-social behavior.”
The second review, published by the British Advisory Council on the Misuse of Drugs, reported: “Cannabis differs from alcohol in one major respect. It does not seem to increase risk-taking behavior. This means that cannabis rarely contributes to violence either to others or to oneself, whereas alcohol use is a major factor in deliberate self-harm, domestic accidents and violence.”
Most recently, a logistical regression analysis of approximately 900 trauma patients published in the Journal of TRAUMA Injury, Infection, and Critical Care, determined that the use of cannabis is not independently associated with either violent or non-violent injuries requiring hospitalization. By contrast, alcohol and cocaine use are associated with violence-related injuries, the study found.
For more information, please contact Paul Armentano, NORML Senior Policy Analyst, at: paul@norml.org. Full text of the study, “Predicting violence among cocaine, cannabis, and alcohol treatment clients,” will appear in the journal Addictive Behaviors. Additional audio commentary regarding this study is available on the August 15, 2007 broadcast of the NORML Audio Stash at: http://audio.norml.org/audio_stash/NORML_Daily_AudioStash_08_15_2007.mp3.
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Verfasst von pjwassermann
August 21, 2007
Im nordenglischen Warrington wurde der Familienvater Gary Newlove von einer Bande volltrunkener Jugendlicher erschlagen, die zuvor sein Auto demoliert hatten. Alle acht Minuten wird in England ein Verbrechen mit einem Messer begangen, meist von betrunkenen Tätern. Und gesoffen wird immer mehr, vor allem auch von Jugendlichen. Dasselbe ist in der Schweiz und insbesondere in Basle zu beobachten, wo immer mehr Gewaltdelikte zu beklagen sind. Die Medien rätseln nun über die Gründe der Epidemie von Gewalt und Suff und lassen dabei die wichtigsten Punkte ausser Acht:
1. Diese Welt ist ohne Rausch kaum auszuhalten.
Offensichtlich haben die industrialisierten Länder einen Zustand erreicht, wo viele junge Leute den Alltag ohne Rausch nicht mehr aushalten können. Mangelnde Zukunftsaussichten, die Verarmung der unteren und mittleren Schichten durch die Verschiebung des Reichtums hin zu den Globalisierungs-Gewinnlern, brutalste Gewalt in Medien und Computerspielen und nicht zuletzt die Verrohung durch den allgegenwärtigen Terrorismus der Mächtigen (sprich Irakkrieg) sind einige der Gründe.
2. Die herrschende Drogen-Ideologie begünstigt die Gewalt.
Cannabis hat bekanntlich eine beruhigende Wirkung, es sind keine Gewalttaten bekannt, die in direktem Zusammenhang mit Hanfkonsum stehen. Vom Alkohol hingegen wissen wir, dass er Aggressionen auslöst und dass sehr viele Straftaten in direktem Zusammenhang mit Alkoholkonsum stehen. Die seit 30 Jahren von den USA geprägte weltweite Drogen-Ideologie bekämpft vehement den Anbau, Handel und Konsum von Cannabis, mit stark verschärfter Tendenz in den letzten Jahren. Dadurch ist es zu einer Verknappung von Cannabis gekommen mit der Folge, dass der Alkoholkonsum bei Jugendlichen stark zugenommen hat. Wenn ich vor drei oder vier Jahren in Basel dem Rhein entlang spaziert bin, so war ständig Hanfrauch zu riechen. Heute ist Cannabis kaum mehr wahrzunehmen, dafür wird überall nur noch gesoffen. Littering ist ein kleiner Nebeneffekt.
3. Erfolgreiche Gewaltbekämpfung bedingt eine Kehrtwende in der Drogenpolitik.
Man muss den Tatsachen mal nüchtern ins Auge blicken: Alkohol ist weit gefährlicher als Cannabis! Nicht nur für den einzelnen Konsumenten (3000 Alkoholtote in der Schweiz pro Jahr, null Cannabistote), sondern auch für die Gesellschaft als Ganzes. Eine verantwortungsvolle Drogenpolitik muss den Konsum von Alkohol soweit als möglich eindämmen und Cannabis entkriminalisieren. Natürlich werden dadurch nicht sämtliche Gewaltprobleme gelöst, aber es wird eine Besserung stattfinden.
Leider ist von der jetzigen US-Regierung keine Einsicht zu erwarten, und keine europäische Regierung wird sich getrauen, der amerikanischen Ideologie entgegenzutreten. Dennoch gibt es inzwischen auch in den USA wieder einige Anzeichen von aufkeimender Vernunft, zum Beispiel letzten Sonntag in der Washington Post, wo unter dem Titel “The Lost War” ein Ende der Drogenprohibition gefordert wurde, hier eher unter dem Aspekt, dass vor allem Terrorismus und Gangster-Syndikate von der Prohibition profitieren.
Und in Deutschland wurde laut Spiegel-Online der ersten Multiple Sklerose-Patientin legales Cannabis erlaubt. Bisher hatte man die Kranken mit ihren Schmerzen allein gelassen und ihnen das Medikament Hanf verwehrt.
Die amerikanische Organisation DRCNet (Drug Reform Coordination Network) betreibt die Website stopthedrugwar.org und verzeichnet inzwischen mehr als 100′000 Zugriffe pro Tag - fast soviel wie huffingtonpost. Auch das ein hoffnungsvolles Zeichen. DRCNet bittet übrigens um Spenden, um die Serverkapazität ausbauen zu können.
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Verfasst von pjwassermann
Juli 29, 2007
In den Sommermonaten fahren manche Leute hier wie vom Teufel besessen, wahrscheinlich sind sie es auch. Immer wieder sieht man waghalsige Ueberholmanöver auf kurvigen, unübersichtlichen Strassen und immer wieder Wracks am Strassenrand. Letzthin wurden wir Zeugen eines grausigen Unfalls, wo einem alten Bauern beide Beine abgerissen und der Rest seiner Leiche über ein Kilometer mitgeschleppt wurde. Der Todesfahrer, ein junger Brite, fuhr dann in seinem demolierten Auto noch zehn Kilometer weiter, bis er sich der Polizei stellte. Es ist beängstigend.

Strassenmarkierung auf Ibiza
Gestern im “Diario de Ibiza” die Geschichte eines ungarischen Pärchens, deren Leichen im Wald gefunden wurden. Er hatte sie offenbar in einem perversen Sexual-Akt erwürgt und dann, vielleicht erschreckt über seine nicht unbedingt so gewollte Tat, sich selbst umgebracht.
Im Leserbrief-Teil derselben Zeitung beklagt sich die Halterin einer Strandkneipe bei San Antonio (britisch besetztes Gebiet), dass ihre Familie täglich von schwer betrunkenen Gästen angepöbelt wird. Es wird ins Lokal gepinkelt, Mobiliar beschädigt und die Zeche geprellt. Letzthin wurde die Schwester der Schreibenden mit mehreren Messerstichen verletzt, und die Guardia Civil brauchte über eine Stunde, um am Ort des Geschehens zu erscheinen. Die Schreiberin vermerkt verbittert, dass beim höchst umstrittenen Autobahnbau des Matutes-Clans die Polizei in Hundertschaften bereitstand, um die Zwangsenteignungen und die Zerstörung von Häusern und Kulturland vor dem Zorn der Bevölkerung zu beschützen.

Wieder mal ein Wrack neben der Strasse
In diesem Zusammenhang ist auch die diesjährige Schliessung von einigen Discotheken, Clubs und Bars zu sehen, über die ich in meinem ersten Ibiza-Update geschrieben habe. In seltener Einmütigkeit verkündeten Lokalpolitiker wie auch die britische Botschafterin, dass die Zeit des “Anything Goes” abgelaufen sei. Nach diversen sensationalistischen Medienberichten hatte das Image Ibizas einen neuen Tiefpunkt erreicht, und dies zu Recht - der Abschaum hat Ibizas touristische Gegenden erobert, man kann es leider nicht anders ausdrücken. Nun soll nach Wunsch der Behörden alles diskreter ablaufen, das war wohl in etwa das Signal an die wegen Drogenhandels geschlossenen Clubs. Amnesia ist inzwischen wieder geöffnet.
Angetrieben von der Geldgier einheimischer und zugewanderter Hoteliers und Geschäftsleute wird einerseits mit Billigreisen alkoholisiertes Proletariat herangekarrt und andererseits hochprofitable Club-, Party- und Drogentouristen, die gnadenlos abgezockt werden mit Eintrittspreisen von 90 EUR in Clubs, wo ein Bier 18 EUR kostet.
Die Politik ist hilflos. Die PP (Partido Popolar) ist nur an Zement und Asphalt interessiert, weil so die herrschenden Clans am meisten absahnen können. Die jetzt herrschenden Sozialisten (die die Wahl mit 38 Stimmen Differenz gewonnen haben) meinen es gut, aber sind weder zur klaren Analyse noch zur durchgreifenden Aktion fähig. Nicht einmal der dringend nötige massive Ausbau des öffentlichen Verkehrs wird angepackt. So geht das Kräftespiel des entfesselten Kapitalismus ungehindert weiter.
Vor Jahrzehnten in den 60er-Jahren, war Ibiza das Paradies der Hippies gewesen. Regiert hatten “Shit und Trips”, also Haschisch und LSD. Das waren Zeiten gewesen, idyllisch und romantisch. Natürlich gab es auch damals private Dramen, aber die Gesamtstimmung war freundlich zu Natur und Menschen. Heute sind Kokain, Ecstasy (womit nicht reines MDMA gemeint ist), Ketamin und GHB die vorherrschenden Drogen - und natürlich vor allem Alkohol in rauhen Mengen. Und weiterhin präsentiert die im Sommer massiv verstärkte Drogenpolizei (Vorsicht auf den Fähren!) stolz ihre Cannabis-Beute, wenn sie wieder mal einen Kleindealer oder einen Touristen mit privatem Drogenproviant erwischt haben.
Trotz allem: wer mehr als nur ein paar wenige Schritte in die Natur tut, weg von Bars und Verkehr, der kann nach wie vor die majestätische Schönheit dieser Insel erleben. Und auf dem Land gibt es immer noch die friedlichen und gemütlichen Szenen sowie stets lächelnde Ibicencos. Ein unglaublicher Kontrast.
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Verfasst von pjwassermann
Juli 15, 2007
Oelpest vor Ibizas Küste: der Tanker “Don Pedro” mit 150 Tonnen Oel ist wenige Kilometer vor Ibizas Hafen auf ein Riff aufgelaufen und sofort gesunken. Die Strände Playa d’en Bossa, Talamanca und Figueretas wurden geschlossen. Taucher haben inzwischen die Lecks abgedichtet, und es scheint, dass eine grössere Katastrophe verhindert werden konnte.
(Nachtrag vom 16.7.2007: Offenbar alles viel schlimmer, als die ersten Meldungen vermittelten. Habe Video gesehen von oelverschmierten Felsen bei Ses Salines, dem wunderschönen Strand mit den bizarren Felsen und den Sanddünen.)
Der Tanker-Unfall ist symptomatisch für die Rücksichtslosigkeit, mit der Ibiza, ein Juwel des Mittelmeers, von den Menschen behandelt wird. Insebesondere in den vier Jahren Herrschaft der rechtsgerichteten PP (Partido Popolar), die von König Abel Matutes beherrscht wird, wie auch grosse Teile von Ibizas Wirtschaft, wurden brutale Schneisen in die kleine Insel geschlagen, um ungeheuerlich überteuerte Autobahnen zu bauen, von denen wiederum primär Matutes und sein Clan profitiert haben.
Nun haben bei den Wahlen vom 16.Mai die Sozialisten die Mehrheit erreicht und wurden anfangs Juli in ihre Aemter eingesetzt. Bereits laufen Korruptionsverfahren gegen Prinzessin Stella Matutes und zwei weitere Abgeordnete.
Nun rasen die Taxifahrer mit 130 km/h über das Stück Autobahn vom Flughafen bis in die Umfahrungsstrassen rund um Ibiza, auf denen eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h pro Stunde signalisiert ist. Keiner scheint sich darum zu kümmern. Die Touristen, von denen die Insel lebt, können der Autobahn nichts abgewinnen - genau vor solchen Monströsitäten sind sie temporär aus ihrer Heimat geflüchtet.

Von Inselbewohnern höre ich, dass die Polizei aggressiv gegen kleine Haschisch-Dealer vorgeht. Aus dem “Hippie”-Markt vo Las Dalias soll einer mit Handschellen abgeführt worden sein. Andererseits ist zu lesen, dass Spanien den höchsten Pro-Kopf-Konsum von Kokain haben, Spitzenreiter ist vermutlich Ibiza. Sichtbar wird das, wenn einer mit 150km/h über eine Landstrasse rast, auf die Velofahrer von den Tourismusbehörden gelockt worden sind.
Die Clubs Amnesia, Bora-Bora und DC-10 wurden anfangs dieser Saison geschlossen. Vielleicht können sie jetzt im Juli wieder öffnen. Der Grund soll sein, dass in diesen Lokalen Drogen verkauft worden seien. Wer hätte das gedacht? Jeder weiss, dass in allen grossen Discos und Clubs der Drogenhandel zum Geschäft gehört, auch im Space, bei dem König Matutes Mitbesitzer ist.
Bezüglich Drogen ist Spanien immer noch völlig unaufgeklärt, die Medien schreiben nach wie vor von “la Droga”, in den meisten Fällen ohne zu spefizieren, um was es konkret geht. Wie soll da eine ernsthafte Diskussion stattfinden? Wie immer seit dem Antritt von Bush läuft alles in die völlig falsche Richtung.
Gesoffen wird wie eh und je. Als letzthin eines meiner Lieblingslokale um 1.00h morgens schloss, torkelten mehrere Besucher aus der Bar und hinter das Steuer ihrer Autos. Entsprechend viele Tote gibt es auf Ibizas Strassen.
Dennoch gibt es auf Ibiza immer noch wunderschöne Gegenden mit unberührter Natur. Wie lange noch?
Die Sozialisten haben nun immerhin die Schliessung von mehreren Restaurants in den Salinen angeordnet, die ohne Bewilligung mitten in die Dünen gebaut worden sind, nach guter ibizenkischer Tradition: “Die Gesetze gelten nur für die Ausländer.” Gerade habe ich gelesen über einen politischen Vorstoss, dass bei Drogenvergehen gegenüber Ausländern keine bedingten Strafen mehr angewendet werden sollen, für Spanier und Ibicencos schon. Ob das mit dem EU-Recht vereinbar ist?
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Verfasst von pjwassermann